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Sonntag, 23. April 2017

Ein Schatz voll Wahrheiten und Inspirationen

Es ist stimmig, dass der erste Post auf dem neuen Blog den Menschen gewidmet ist, die einen großen Anteil daran haben, dass es diese Seite überhaupt gibt; wenngleich der Beitrag aus organisatorischen Gründen zuerst auf meinem alten Blog (diesem hier) erscheint.

Eine Familie beeinflusst mein Leben


Ich meine Ka Sundance mit seiner Frau Katie und ihren gemeinsamen Kindern Benny, Jaro, Ronja, Joa, Luna und Sofia. Seit 2012 begleitet mich diese Familie, wobei - ehrlicherweise begleite ich eher sie. Ihnen wird vermutlich erst allmählich bewusst, dass ich überhaupt existiere. Ihr Einfluss auf mein Leben verschwindet für sie vermutlich an den Rand der Bedeutungslosigkeit, fühlen sich doch viele tausend Menschen weltweit von den Sundancers inspiriert.
Dank der Videos auf YouTube hatte ich den letzten Jahren viele Gelegenheiten, die Familie zu erleben. Wenngleich ich der Roh-Veganen-Ernährung (Mit diesem Thema beschäftigte sich Ka hauptsächlich, als ich die Familie im Internet entdeckte.), weiterhin skeptisch gegenüberstehe, sprach Ka so viele Wahrheiten aus, mit denen ich mich zum damaligen Zeitpunkt und bis heute beschäftige.

Mit 6 Kindern um die Welt

Nirgendwo wohnen, überall leben - wie wir das Glück suchten und fanden


Nach einigen eBooks veröffentlichte Ka im April 2017 sein erstes Buch zum Anfassen.
Obwohl ich bereits fast alles weiß, was es im Internet über die Familie zu lesen und zu sehen gibt, war mein Entschluss, das Buch zu kaufen, schnell gefasst. Beim Lesen wuchs meine Vorfreude zu Begeisterung!

ISBN 978-3-7423-0105-5
Mit leichten Worten, Witz und Charme berichtet Ka von seinen Reiseerlebnissen. Kleine Anekdoten, die noch nicht auf YouTube erzählt worden sind, halten auch für alte Hasen unter den Sundance-Fans Neuigkeiten zum Schmunzeln bereit. Doch für mich befindet sich der Schatz in diesem Buch nicht bei den Reiseberichten. Die Videos auf YouTube sind um weiten eindrucksvoller und weckten selbst bei mir eine Sehnsucht in die Ferne.

Das Juwel liegt in der Erfahrung eines Mannes, der trotz großer Steine auf seinem Weg, seinem Traum folgt und diesen, mit der Unterstützung seiner Familie, lebt. Ka erzählt, wie er die Lieben seines Lebens fand (Katie und das Reisen!), und wie im Laufe der Jahre seine Familie wächst. Er führt mich, als Leserin, nicht nur in ferne Länder, sondern auch auf eine Reise in die Armut, Ungewissheit und in Ängste. Meine Existenzängste, die er ähnlich vielleicht auch einst gehabt hat. Ebenso begleitet er mich wieder hinaus, indem er immer wieder von dem unerschütterlichen Glauben berichtet und wie seine Familie dank diesem stets neue Wunder erfuhr.

Ganz nebenbei spricht er Themen an, die zum Teil in Deutschland noch nicht gesellschaftsfähig sind, die seine Familie aber ganz selbstverständlich lebt. Die Art, wie Katie und Ka ihre Kinder im Leben begleiten. Schlüsselworte, bei denen ich allzu oft verständnislose Blicke ernte, wenn ich sie erwähne.
Natürliche Hausgeburten, windelfreie Erziehung, Familienbett, Kinder körpernah tragen, Krankheiten durch eine Änderung des Lebenswandels und der Ernährung heilen und das große Tabu-Thema: Schulfrei lernen.
Die Familie Sundance lebt all dies natürlich und ebenso erzählt Ka von seinen Beweggründen und Erfahrungen, ohne sich dabei in einen Moralapostel zu verwandeln.

„Denn selbst Gesundheit, Geld und viel Freizeit machen nicht automatisch glücklich. Es braucht mehr. Für wahres Glück braucht es Bedeutung.“ - Ka Sundance

Gleichermaßen authentisch berichtet er von der Entstehung und dem Wachstum eines Online-Unternehmens, das sich stetig wandelt. Während ich von dem System des Business und die Art, wie es weitergegeben wird, bereits seit Anfang des Jahres überzeugt bin, mag bei so manchem Skeptiker dieses Buch dazu beitragen und ihn inspirieren. Es ist eine weitere Wahrheit, dass es möglich ist, frei, unabhängig und mit geringem Aufwand einen solchen Lebensstil zu genießen. Katie und Ka sind als Wegbereiter, Mentoren und Inspiratoren etwas Besonderes, doch schon lange nicht mehr die Einzigen, die diesen Traum leben.

Die Krone unter all den Juwelen in diesem Buch besteht aus dem letzten Kapitel. Hier wird eine Vision in Worte gepackt und verbreitet, um ihre Energie ans Universum zu senden. Ich bin überzeugt, dass es den Sundancers gelingen wird, ihren Traum Realität werden zu lassen. Nicht nur, weil es ihnen bisher immer gelang, sondern weil unsere Welt genau so eine Realität braucht. Die Zeit dazu ist gekommen und ich werde mein Bestes geben, um meinen Teil dazu beizutragen.

Sunny

P.S.: Hier gibt es das Buch online zu kaufen: www.mit6kindernumdiewelt.de
(Auch wenn ich immer dafür bin, den lokalen Handel zu unterstützen und Bücher durch Bestellungen bei der Buchhandlung bekannt zu machen. ;) )

Sonntag, 19. Juli 2015

Mit jedem NICHT wehrst du dich gegen dein Wohlbefinden


Sara hatte noch nicht einmal den halben Tag hinter sich und schon zwei Seiten voller Neins, über die sie mit Salomon reden wollte.
Saras Nachmittag stellte sich als ebenso furchtbar heraus wie der Morgen. Sie konnte ihrer Liste noch das Folgende hinzufügen:

WIRF NICHT DAMIT HERUM!
HÖR DAMIT AUF!
ICH SAGTE NEIN!
HAST DU NICHT GEHÖRT?
HABE ICH MICH NICHT DEUTLICH GENUG AUSGEDRÜCKT?
HÖR AUF ZU DRÄNGELN!
ICH WILL ES NICHT NOCH EINMAL SAGEN MÜSSEN!

Am Ende des Tages war Sara völlig erschöpft. Es kam ihr so vor, als wehrte sich die ganze Welt gegen ihr Wohlbefinden.
„Junge, Junge, Salomon, du hast Recht! Fast alle sagen nein statt ja. Selbst ich, Salomon. Ich weiß doch, was ich tun soll, und doch kann ich es nicht.“
NICHT EINMAL ICH KANN ES, schrieb Sara auf ihre Liste.
Was für ein Tag.
Das ist ja eine ganz ansehnliche Liste, Sara. Du scheinst einen erfüllten Tag gehabt zu haben.
„Ach Salomon, du hast ja keine Ahnung. Das sind nur ein paar von den Dingen, die ich heute gehört habe. Die Leute sagen fast immer nein, Salomon. Und sie merken es nicht einmal! Und ich auch nicht, Salomon. Das ist wirklich schwierig.“
Sara, wenn du erst einmal weißt, worauf du zu achten hast, und wenn du erkennst, was dein Ziel ist, ist es nicht mehr so schwierig. Sara, lies mir etwas von deiner Liste vor. Dann zeige ich dir, was ich meine.
„KOMM NICHT ZU SPÄT.“
Sei pünktlich.
„WIR WOLLEN DOCH NICHT, DASS UNSER BESUCH EIN UNORDENTLICHES HAUS VORFINDET.“
Wir möchten, dass sich unsere Gäste in unserem Haus wohl fühlen.
„LASS NICHT DIE KALTE LUFT HEREIN.“
Wir wollen ein schönes, warmes Heim haben.
„KOMM NICHT ZU SPÄT ZUR SCHULE.“
Wenn du pünktlich bist, fühlst du dich gut.
„DU WILLST DOCH NICHT HINFALLEN.“
Konzentriere dich auf deinen Körper.
„DAS WIRD NICHT LEICHT SEIN.“
Es wird mir gelingen.
„AUF DEM FLUR WIRD NICHT GERANNT.“
Nimm Rücksicht auf andere.
„ES IST NICHT GESTATTET, WÄHREND DES UNTERRICHTS ZU REDEN.“
Lasst uns gemeinsam lernen.
„ES IST NICHT GESTATTET, WÄHREND DES UNTERRICHTS AUS DEM FENSTER ZU SCHAUEN.“
Es ist zu deinem eigenen Nutzen, aufmerksam zu sein.
„ES IST NICHT GESTATTET, HAUSAUFGABEN VERSPÄTET ABZUGEBEN.“
Lasst uns miteinander Schritt halten und gemeinsam arbeiten.
„ES IST NICHT GESTATTET, HAUSTIERE MITZUBRINGEN.“
Eure Tiere fühlen sich zu Hause viel wohler.
„Sagenhaft, Salomon, du hast den Bogen wirklich raus!“
Sara, auch du wirst es bald können. Man muss es nur üben. Welche Worte du benutzt, ist nicht so wichtig. Was dir schadet, ist das Gefühl, dass du dich gegen etwas zur Wehr setzt. Als deine Mutter sagte: „Lass die Tür nicht offen“, wehrte sie sich mit Sicherheit gegen etwas, das sie nicht wollte. Aber selbst wenn sie gesagt hätte: „Mach die Tür zu“, hätte sie immer noch mehr an das gedacht, was sie nicht wollte. Daher wäre ihre Absicht eine Abwehr gewesen.Verstehst du, dass du in das hinein spüren solltest, statt dich gegen etwas zu wehren, was du nicht möchtest?Sicher weisen deine Worte darauf hin, in welche Richtung du gehst, aber deine Gefühle sind ein besserer Hinweis darauf, ob du etwas zulässt oder dich gegen etwas wehrst.Ich wünsche dir viel Spaß dabei, Sara. Wenn du dich dagegen wehrst, nein zu sagen, wehst du dich immer noch. Es geht darum, mehr davon zu reden, was du möchtest. Und wenn du das tust, dann wird dein Leben immer besser. Du wirst schon sehen.
S. 165-168

Samstag, 18. Juli 2015

Ein Glied in der Kette der Freude

ISBN-13: 978-3-7787-7173-0
„Salomon, warum sind die Leute so gemein?“
Sind denn wirklich alle Menschen gemein, Sara? Das war mir noch gar nicht aufgefallen.
„Na ja, vielleicht nicht alle, aber die meisten schon. Ich verstehe nur nicht, warum. Wenn ich gemein bin, fühle ich mich schrecklich.“
Wann bist du gemein, Sara?
„Meistens, wenn jemand anders zuerst gemein war. Ich glaube, ich werde dann gemein, um es ihm heimzuzahlen.“
Hilft das?
„Ja“, antwortete Sara kleinlaut.
Und wie, Sara? Fühlst du dich besser, wenn du es ihnen heimzahlst? Ändert das etwas oder kannst du dadurch ihre Gemeinheit ungeschehen machen?
„Wahrscheinlich nicht.“
Nach meiner Erfahrung setzt das nur noch mehr Gemeinheit in die Welt. Es ist so, als würdest du ein Glied in der Kette des Schmerzes werden. Erst leiden sie, dann leidest du und dann trägst du dazu bei, dass jemand anders leidet und so weiter.
„Aber wer hat denn mit dieser schrecklichen Kette des Schmerzes angefangen?“
Es spielt eigentlich keine Rolle, wie das alles angefangen hat. Wichtig ist, was du damit machst, wenn sie dich erreicht. Worum geht es hier, Sara? Warum bist du ein Teil der Kette des Schmerzes geworden?
Sara, der speiübel war, erzählte Salomon von Donald, dem Neuen, und von seinem ersten Schultag. Sie sprach von den Angebern, die immer etwas zu finden schienen, mit dem sie Donald aufziehen konnten. Sie erzählte auch von dem Vorfall, der sich gerade erst im Flur abgespielt hatte. Und als sie beim Berichten diese Vorfälle noch einmal durchlebte, spürte sie, wie in ihr wieder die Wut hochkam. Als sich eine Träne aus ihrem Auge stahl und ihr die Wange hinunterlief, wischte sie sie wütend mit dem Ärmel weg. Sara war verstört darüber, dass sie schniefte und schluchzte, statt sich wie sonst angeregt mit Salomon zu unterhalten. So sollte es bei Salomon überhaupt nicht sein.
Die Eule war lange Zeit still, während chaotische Gedanken durch Saras Kopf schossen. Sie spürte, dass Salomon sie aus seinen großen liebevollen Augen beobachtete, aber es war ihr überhaupt nicht peinlich. Fast schien es, als ob Salomon etwas aus ihr herauslocken wollte.
Also, klar ist, was ich nicht will, dachte Sara. Ich möchte mich nicht so fühlen. Besonders dann nicht, wenn ich mit Salomon rede.
Sehr gut, Sara. Du hast gerade ganz bewusst den ersten Schritt gemacht, um die Kette des Schmerzes zu durchbrechen. Du hast ganz bewusst erkannt, was du nicht willst.
„Und das ist gut?“; staunte Sara. „Ich fühle mich aber gar nicht gut!“
Das liegt daran, dass du nur den ersten Schritt gemacht hast, Sara. Es gibt noch drei weitere.
„Was ist der nächste Schritt, Salomon?“
Also, Sara, es ist nicht schwer herauszufinden, was du nicht willst. Stimmst du mir zu?
„Ja, wahrscheinlich schon. Also, meistens weiß ich das schon.“
Woher weißt du, dass du an etwas denkst, das du nicht willst?
„Ich weiß es einfach irgendwie.“
Du weißt es, weil du dann etwas Bestimmtes fühlst, Sara. Wenn du über etwas sprichst oder an etwas denkst, das du nicht willst, nimmst du immer ein negatives Gefühl wahr - Wut, Enttäuschung, Verlegenheit, Schuld oder Angst. Dir geht es nicht gut, wenn du an etwas denkst, das du nicht willst.
Sara dachte an die vergangenen Tage, in denen sie mehr negative Gefühle gehabt hatte als sonst. „Du hast Recht, Salomon“, sagte sie. „Ich habe das in der letzten Woche oft gespürt, wenn ich gesehen habe, wie die fiesen Typen auf Donald herumhacken. Seit ich dir begegnet bin, bin ich so glücklich gewesen. Und dann wurde ich so wütend, weil sie Donald fertig machten. Ich kann jetzt sehen, dass meine Gefühle etwas damit zu tun haben.“
Gut, Sara. Dann wollen wir jetzt über den zweiten Schritt reden. Wenn du weißt, was du nicht willst, sollte es dann nicht einfach sein, herauszufinden, was du willst?„Also...“, begann Sara, die verstehen wollte, aber nicht sicher war, worauf das hinauslief.
Wenn du krank bist, was möchtest du dann?
„Ich möchte gesund werden“, antwortete Sara spontan.
Wenn du nicht genug Geld hast, um dir etwas zu kaufen, das du haben möchtest, was wünscht du dir dann?
„Mehr Geld“, kam die Antwort.
Siehst du, Sara, das ist der zweite Schritt, um die Kette des Schmerzes zu zerbrechen. Schritt eins ist die Erkenntnis dessen, was du nicht willst. Schritt zwei besteht darin, dich zu entscheiden, was du willst.“
„Also, das ist ja einfach.“ Sara ging es allmählich besser.
Der dritte Schritt ist der wichtigste, Sara. Diesen kennen die meisten Menschen nicht. Schritt drei lautet: Sobald du erkannt hast, was du möchtest, musst du es wirklich fühlen. Du musst darüber sprechen, warum du es willst; beschreiben, wie es wäre, es zu haben; es erklären; so zu tun, als ob du es hättest oder dich an etwas Ähnliches erinnern. Auf jeden Fall musst du so lange daran denken, bist du es fühlst. Beschäftige dich so lange mit dem, was du möchtest, bis du ein Gefühl des Wohlbehagens verspürst.Sara traute ihren Ohren nicht. Salomon ermutigte sie doch tatsächlich, ihre Zeit damit zu verbringen, sich Dinge vorzustellen. Deshalb hatte sie ja schon mehr als einmal Ärger gehabt. Es schien, als ob Salomon ihr das genaue Gegenteil von dem erzählte, was ihr die Lehrer in der Schule beizubringen versuchten. Aber sie hatte gelernt, Salomon zu vertrauen. Und sie war auf jeden Fall bereit, etwas Neues auszuprobieren. Was ihr die Lehrer erzählt hatten, funktionierte ja offensichtlich nicht.
„Warum ist der dritte Schritt der wichtigste, Salomon?“
Weil du erst dann wirklich etwas veränderst, wenn du deine Gefühle verändert hast. Sonst bleibst du ein Glied in der Kette des Schmerzes. Aber wenn du deine Gefühle veränderst, bist du ein Glied in der anderen Kette - man könnte sagen, in Salomons Kette.„Wie heißt denn deine Kette, Salomon?“
Eigentlich habe ich ihr keinen Namen gegeben. Man muss sie fühlen. Aber man könnte sie Kette der Freude nennen oder Kette des Wohlbefindens. Die Glückskette. Es ist eine ganz natürliche Kette, Sara. Das ist es, was wir wirklich sind.„Aber wenn sie so natürlich ist, wenn sie das ist, was wir alle sind, warum fühlen sich dann nicht mehr Menschen öfter gut?“
Die Menschen, wollen, dass es ihnen gut geht, und die meisten Menschen wollen auch sehr gern gut sein. Und das ist gerade Teil des Problems.„Was soll das heißen? Wie kann es ein Problem sein, wenn man gut sein möchte?“
Also, Sara, die Leuten möchten gut sein. Daher schauen sie sich an, wie andere Leute leben, um herauszufinden, was gut ist. Sie schauen sich die Verhältnisse an, in denen sie leben, und dann sehen sie Dinge, die sie für gut halten, und Dinge, die sie für schlecht halten.„Und das soll schlecht sein? Was soll denn daran schlecht sein, Salomon?“
Mir ist aufgefallen, dass die meisten Menschen nicht darauf achten, wie sie sich fühlen, wenn sie sich die Verhältnisse - gut oder schlecht - anschauen. Und da läuft die Sache aus dem Ruder. Statt sich bewusst zu sein, dass sich das, was sie sich anschauen, auf sie auswirkt, achten sie auf ihrer Suche nach dem Guten immer auf das Schlechte und versuchen, es wegzudrängen. Das Problem dabei ist einfach, dass sie Glieder in der Kette des Schmerzes geworden sind, wenn sie immer das ablehnen, was sie für schlecht halten. Die Menschen sind mehr daran interessiert, sich die Verhältnisse anzuschauen, die zu analysieren und zu vergleichen, als darauf zu achten, wie sie sich dabei fühlen. Und häufig ziehen sie die Verhältnisse wieder in die Kette des Schmerzes hinein.Sara, denk einmal an die letzten Tage. Versuch dich an deine stärksten Gefühle zu erinnern. Was war geschehen, als es dir in der letzten Woche so schlecht ging, Sara?„Ich fühlte mich furchtbar, als Tommy und Lynn sich über Donald lustig machten. Mir ging es schrecklich, als die Kinder Donald ausgelacht haben. Aber am schlimmsten fühlte ich mich, als Donald mich anschrie. Dabei habe ich doch nur versucht, ihm zu helfen, Salomon.“
Gut, Sara. Lass und darüber reden. Was hast du getan, als du dich so mies gefühlt hast?„Ich weiß nicht, Salomon. Eigentlich habe ich gar nichts getan. Ich hab‘ wohl die meiste Zeit zugeschaut.“
Das ist genau richtig, Sara. Du hast die Situation beobachtet. Aber die Situationen, die du beobachtest, sind genau diejenigen, die dich dazu bringen, ein Glied in der Kette des Schmerzes zu werden.„Aber Salomon“, erwiderte Sara, „wie soll man denn das, was falsch ist, nicht sehen? Und wie soll man sich denn nicht schlecht fühlen, wenn man es sieht?“
Eine sehr gute Frage, Sara. Ich verspreche dir, dass ich sie dir ausführlich beantworten werde, wenn die Zeit gekommen ist. Ich weiß, dass es nicht einfach ist, dies alles auf einmal zu verstehen. Der Grund, warum es zuerst schwierig ist, es zu verstehen, ist einfach der, dass man dir beigebracht hat, etwas außerhalb deiner selbst zu beobachten - dass man dir aber nicht beigebracht hat, zu beobachten, wie du dich dabei fühlst. Folglich bestimmen äußere Situationen und Verhältnisse dein Leben. Wenn du etwas Gutes siehst, reagierst du darauf mit einem guten Gefühl, und wenn du etwas Schlechtes siehst, reagierst du darauf mit einem schlechten Gefühl. Weil Dinge außerhalb von euch selbst euer Leben bestimmen, sind viele von euch so frustriert. Deshalb werden auch weiterhin so viele Menschen Glieder in der Kette des Schmerzes werden.„Wie kann ich denn aus der Kette ausbrechen, damit ich auch anderen helfen kann auszusteigen?“
Nun, Sara, dafür gibt es viele Möglichkeiten. Aber die, die mir am besten gefällt, weil sie am schnellsten funktioniert, ist die: Denke Gedanken der Anerkennung und Dankbarkeit.„Anerkennung und Dankbarkeit?“
Ja, Sara. Konzentriere dich auf irgendetwas oder irgendjemanden und finde die Gedanken, durch die es dir am allerbesten geht. Erkenne andere Menschen oder Situationen so gut wie möglich an, würdige sie, lerne sie schätzen, sei ihnen dankbar, erkenne das Gute in ihnen. Das ist die beste Möglichkeit, ein Glied in der Kette der Freude zu werden.Weißt du noch, was der erste Schritt ist?„Zu erkennen, was ich nicht will“, antwortete Sara wie aus der Pistole geschossen. Das hatte sie begriffen.
Und der zweite Schritt?„Zu erkennen, was ich will.“
Sehr gut, Sara. Und der dritte Schritt?„Ach Salomon, das hab‘ ich vergessen“, jammerte Sara, die wegen ihres schlechten Gedächtnisses von sich selbst enttäuscht war.
Der dritte Schritt besteht darin, das Gefühl zu finden, das zu dem passt, was du willst. So lange darüber zu reden, bis du fühlst, dass du es bereits hast.„Salomon, du hast mir noch nicht gesagt, was der vierte Schritt ist“, fiel Sara plötzlich ein.
Ah ja, der vierte Schritt ist der beste, Sara. Jetzt bekommst du nämlich, was du möchtest. Schritt vier ist die so genannte psychische Manifestation deines Wunsches.Viel Spaß dabei, Sara, und streng dich nicht zu sehr dabei an. Übe einfach Anerkennung und Dankbarkeit. Das ist der Schlüssel. S. 61-69

Donnerstag, 16. Juli 2015

Erzähl mir von dem, was du möchtest

ISBN-13: 978-3-7787-7173-0
„Ich wünschte, ich könnte fliegen - so wie du, Salomon.“Warum Sara? Warum würdest du gern fliegen?„Ach, Salomon, es ist so langweilig, immer nur auf der Erde herumzugehen. Es ist so langsam. Man braucht ewig, um irgendwo hinzukommen, und man kann auch nicht viel sehen. Nur die Dinge, die sich hier unten auf der Erde befinden. Wie langweilig!“Sara, es kommt mir vor, als hättest du meine Frage nicht beantwortet.„Hab‘ ich aber, Salomon. Ich sagte, ich würde gern fliegen, weil...“Weil du nicht auf der langweiligen Erde herumlaufen wolltest. Aber du hast mir nicht gesagt, warum du fliegen möchtest. Du hast nur gesagt, warum du nicht nicht fliegen möchtest.„Das ist etwas anderes?“Aber ja, Sara. Etwas völlig anderes. Versuch es noch einmal.Sara war zwar überrascht, dass Salomon so plötzlich beschlossen hatte, so kleinlich zu sein, aber sie setzte noch einmal an. „Also gut. Ich möchte fliegen, weil Gehen nicht besonders viel Spaß macht und weil man hier auf der Erde nur langsam vorankommt.“Sara, merkst du, dass du immer noch darüber redest, was du nicht möchtest und warum du es nicht möchtest? Versuch es noch einmal.„Okay. Ich möchte fliegen, weil... Ich verstehe es nicht, Salomon. Was soll ich denn sagen?“Ich möchte, dass du mir sagst, was du möchtest, Sara.„Ich möchte fliegen!“, schrie Sara, die von Salomons Begriffstutzigkeit mittlerweile ziemlich genervt war.Sag mir jetzt, warum du fliegen möchtest, Sara. Wie wäre es wohl? Wie würde es sich anfühlen? Mach es wirklich für mich. Erklär mir mal, wie es sich anfühlen würde zu fliegen. Ich möchte nicht von dir hören, wie es auf der Erde ist oder wie es ist, nicht zu fliegen. Ich möchte, dass du mir erzählst, wie es ist zu fliegen.Sara schloss die Augen, weil sie allmählich anfing zu begreifen, worauf Salomon hinauswollte. Dann versuchte sie es noch einmal. „Fliegen fühlt sich frei an, Salomon. So wie schweben, nur schneller.“Was würdest du sehen, wenn du fliegen könntest?„Ich würde unter mir die ganze Stadt sehen. Ich könnte die Hauptstraße sehen und die Autos und die Fußgänger. Ich könnte den Fluss sehen und meine Schule.“Wie fühlt es sich an zu fliegen, Sara? Beschreib das Gefühl des Fliegens.Sara hielt mit geschlossenen Augen inne und stellte sich vor, dass sie hoch über der Schule flog. „Es würde solchen Spaß machen, Salomon. Fliegen muss doch einfach Spaß machen. Ich könnte so schnell wie der Wind dahingleiten. Ich würde mich so frei fühlen. Es fühlt sich gut an, Salomon!“ Sara erzählte weiter, völlig in ihrer Vorstellungskraft aufgehend. Und plötzlich spürte Sara dieselbe Kraft, die sie in Salomons Flügeln gespürt hatte, wenn er sich Tag für Tag von seinem Pfosten in die Luft erhoben hatte. Sie spürte ein erhebendes Gefühl in sich, das ihr den Atem raubte. Ihr Körper schien einen Augenblick lang tonnenschwer gewesen zu sein, um dann im nächsten vollkommen schwerelos zu werden. Und dann flog Sara.
S. 49ff

Also, Sara, was hast du heute gelernt? Salomon lächelte sie an.„Hab‘ ich gelernt, dass ich über die ganze Stadt fliegen kann, ohne dass Zeit vergeht?“, fragte Sara vorsichtig. Ob es das war, was Salomon hören wollte? „Ich habe gelernt, dass Jason und Billy mich nicht hören oder sehen können, wenn ich fliege, weil sie zu jung oder noch nicht so weit sind. Ich habe gelernt, dass es da oben überhaupt nicht kalt ist, wenn man fliegt.“Das ist alles schön und gut und wir können später darüber reden. Aber ist dir aufgefallen, Sara, dass du nicht das bekommen konntest, was du wolltest, solange du darüber geredet hast, was du nicht wolltest? Aber als du anfingst, darüber zu reden, was du wolltest - und was noch wichtiger ist, als du fühlen konntest, was du wolltest -, da bekamst du es augenblicklich.Sara war still und versuchte sich zu erinnern. Aber es fiel ihr nicht leicht, sich an irgendetwas zu erinnern, das sie vor dem Flug gedacht oder gefühlt hatte. Sie wollt lieber nur an Flug selbst denken.Sara, denk so oft wie möglich darüber nach. Und übe es so oft wie möglich.„Du möchtest, dass ich das Fliegen übe? Gut!“Nicht nur zu fliegen, Sara. Ich möchte, dass du übst, an das zu denken, was du möchtest und warum du es möchtest, bis du es wirklich fühlen kannst. Das ist das Wichtigste, das du von mir lernen wirst, Sara. Viel Spaß dabei.
S. 55f

Donnerstag, 27. November 2014

Von der Kraft, die Hand zu senken und aufzustehen

In den letzten beiden Wochen las ich gleich drei Blog-Artikel zum Thema "Gewalt gegen Kinder". Angefangen hat es in dem Blog Geborgen Wachsen mit einem Aufruf gegen Gewalt gegen Kinder. Weiter ging es in dem Blog Wunschkind - Herzkind - Nervkind mit der Aktion: Kinder sind unschlagbar. Vor wenigen Minuten las ich den Eintrag Es hat dir nicht geschadet in der Jazzlounge.

Von meinen Taten und Nicht-Taten


Mir wird bei diesem Thema das Herz eng. Ich fühle regelrecht, wie sich etwas um mein Herz legt und mir kalt wird. Es sind keine Erinnerungen aus meiner Kindheit, die dies hervor rufen. Es sind meine Taten - und vor allem meine Nicht-Taten.

Während ich noch darüber nachdenke, kommen mir diese Worte in den Sinn: Mit dem Schlagen von Kindern aufzuhören, ist eine ebenso große Herausforderung, wie mit dem Rauchen aufzuhören. Was mich persönlich betrifft, ist die Herausforderung sogar größer. Ich rauche seit etwa sieben Jahren nicht mehr. Wann habe ich das letzte Mal einem Kind einen Klaps gegeben?

Wie kommt es überhaupt dazu?

Ich kann nur von mir persönlich,  meinen eigenen Taten und Nicht-Taten erzählen. Wie komme ich dazu, einem Kind einen Klaps zu geben? (Das Wort "schlagen" möchte ich noch nicht einmal denken, und doch ist auch ein Klaps ein Schlag!)
Ich bin überfordert. Es mag angestauter Stress des Tages sein, Wut über irgendetwas oder irgendjemanden und - oder auch einzig - ein unfolgsames, vielleicht zusätzlich quängelndes Kind. Wer kann sich von so etwas freisprechen? Kannst du es? Wirklich? Dann bewahre es dir.

Ich erinnere mich sehr genau an die Situation, als ich das letzte Mal einem Kind einen Klaps gegeben habe. Es fällt mir dagegen nicht mehr ein - und dafür bin ich sehr dankbar - wann diese Situation war. Es ist schon eine ganze Weile her und es war tatsächlich das letzte Mal.
Danach gab es noch häufig Situationen, in denen ich die Hand erhoben hatte. Ich hatte meine große Hand gegen ein kleines Kind erhoben im Begriff zuzuschlagen (Irgendwie klingt "einen Klaps geben" wesentlich harmloser.) und habe es nicht getan. Ich hatte rechtzeitig bemerkt, was ich zu tun im Begriff war. Ich glaube, ich habe in diesem Moment jedes Mal die Hand sinken lassen und das Kind umarmt - ganz gleich, was die Situation ausgelöst hatte, womit das Kind meine Ohnmacht hervorgerufen hatte. Ich hatte sie in diesem Moment überwunden und war voll Dankbarkeit. Auch eine solche Begebenheit ist bereits eine kleine Weile her. Darüber bin ich sehr froh und dankbar.

Weil Kinder weniger Mensch sind, als Erwachsene?

Ich bin eine erwachsene Frau. Ich habe 34 Jahre Lebenserfahrung gesammelt. Zu einigen Themen habe ich einen sehr hohen Anspruch an mich selbst und dazu gehört, dass ich nicht schlage.
Ich käme niemals auf die Idee, einen anderen erwachsenen Menschen zu schlagen, gleich wie beschissen mein Tag war oder wie sehr diese Person mir auf die Nerven gehen mag. Es gibt etliche Situationen und Menschen, bei denen ich dieses Bedürfnis Verlangen mitunter habe - doch setze ich es nicht in die Tat um.
Warum tat ich es bei kleinen Kindern? Warum tun es so viele Erwachsene bei Kindern?
Der Grund mag in den Erfahrungen eines jeden schlagenden Menschen liegen, doch in der unmittelbaren Situation gibt es meines Erachtens nur einen einzigen Grund. Der Erwachsene hat sich auf den geistigen und emotionalen Stand eines Kindes zurückentwickelt.

Weil ich im Innern ein Kind bin?

Ich habe beobachtet, dass Kinder schlagen und schubsen. Auch in Haushalten, in denen Kinder keine körperliche Gewalt erfahren, schlagen und schubsen sie andere Kinder häufig, noch ehe sie ihren ersten Geburtstag gefeiert haben. Schlagen ist ein Ausdruck von Ohnmacht. Und grade Kleinstkinder, die sich noch nicht verbal mitteilen können, entdecken das Schlagen für sich als ein Instrument des Sich-Mitteilens. Wenn sie damit erfolgreich sind, setzten sie dieses Instrument immer wieder ein - logisch.
Die Kinder, für die ich verantwortlich bin, halte ich von Anfang an dazu an, andere Wege, als körperliche Gewalt zu entdecken. Ich lebe sie ihnen vor. Ich stoppe sie in ihrem Tun, erkläre ihnen andere Möglichkeiten und lebe sie immer wieder vor. Es funktioniert - auch schon bei den ganz Kleinen! Selbst, wenn sie noch nicht mehr als ein paar Worte verbal sprechen können! Ich erlebe es!
Wenn Kinder unter 3 Jahren andere Konfliktlösungen für sich entdecken können, sind sie in dem Moment, in dem ich schlage, reifer und weiter entwickelt als ich. Und weil ich an mich selbst den Anspruch habe, älter als 3 Jahre zu sein (Es sei denn ich erfreue mich an den Wundern der Natur!), habe auch ich andere Lösungen zu finden.

So viel zu mir und meinen Taten. Was ist nun mit meinen Nicht-Taten?
Was meine ich mit dieser Wortschöpfung?
Ich schreite wirklich nahezu jedes Mal ein, wenn ich beobachte, wie Kinder anderen Kindern körperliche Gewalt antun. Wann schreite ich ein, wenn Erwachsene Kindern körperliche Gewalt antun? Ich tue es - doch viel zu selten. Dies sind meine Nicht-Taten.

Der "kleine Klaps" gehört zum Alltag

Vor einer Weile saß ich in einer Runde mit anderen Frauen beim Abendessen. Wie das bei so einer Frauenrunde nun mal ist, wird über alles Mögliche gequatscht - natürlich auch über (die eigenen) Kinder und deren Erziehung.
Ich war erschrocken, wie selbstverständlich immer wieder angedeutet oder sogar klar ausgesprochen wurde, dass diese Frauen Kinder geschlagen hatten. Die Taten wurden sogar in witzige Anekdoten verpackt. Wie abgestumpft sind wir - gerade wir Frauen und Mütter?!
Ich war entsetzt. Und was habe ich gesagt? Nichts. Nicht ein Wort. Ganz im Gegenteil, ich habe über die Anekdoten gelacht. Was mir im Kopf herum ging, was ich für mich reflektierte, habe ich nicht ausgesprochen.

Ich habe, weil es hat!

Ich hatte einst mitbekommen, wie ein Kind sein Geschwisterchen, das zwei Köpfe kleiner war, so grob schubste, dass es bäuchlings über den Boden rutschte. Ein Elternteil, dass dies sah, schubste daraufhin das Kind mit dem selben Ergebnis. Ich schreibe dies als Beobachtung, wertfrei, denn ich war einst in einer ähnlichen Situation und handelte ebenso.
Und doch ist dies in meinen Augen und aus heutiger Sicht etwas völlig anderes, als wenn ich ein Kleinkind zwicke oder an den Haaren zupfe, um ihm zu zeigen, dass kneifen, beißen und an den Haaren zu ziehen unangenehm bis schmerzhaft ist. Irgendwo hört meiner Meinung nach die Verhältnismäßigkeit auf.
Ich bin eine erwachsene Frau und kein Kind. Wenn ein Kind sein jüngeres Geschwisterchen derart behandelt, habe ich noch lange kein Recht, das kleine Kind ebenfalls so zu behandeln. Ich habe andere Lösungen zu finden - und dazu gehört auch die Lösung, dem Kind auf eine andere Weise zu vermitteln, was es in seinem Geschwisterchen ausgelöst hat. Vor allem gehört dazu, dem Kind einen anderen Weg vorzuleben.

Ein Krieg hat noch keinen Frieden gebracht und ein Klaps kein freundliches Wort

Ich sah einst, wie ein Kind in seiner Wut einem Elternteil eine Beleidigung an den Kopf warf. Das andere Elternteil hatte dies gehört. Es stellte das Kind zur Rede. Dieses floh in eine Lüge. Und schon saß der Klaps. Ich war dabei und schwieg.
Ob der Klaps nun wegen der Lüge oder wegen des Schimpfwortes folgte, ist vollkommen irrelevant. Es fällt mir schwer, in dem schlagenden Elternteil, das Sekunden zuvor lediglich ein Beobachter gewesen war, die Ohnmacht zu sehen, die ich oft in mir selbst spürte. Meines erachtens war dieser Klaps eine Strafe. Und ich habe geschwiegen.

Wenn ich nicht tue, was ich sage... - und wenn doch?

Die Androhung von Gewalt (selbst wenn nicht die Absicht besteht, sie auszuführen) erachte ich als ebenso dramatisch. Wie oft höre ich den Satz: "Wenn du nicht..., dann gibt es was auf den Po." (Oder ähnlich.) Selbst von Kindern habe ich ihn schon gehört! Und wie oft sage ich etwas dazu?
Eine solche Drohung ist gleich doppelt unsinnig. Setze ich sie, nachdem alle Worte nicht zu dem von mir gewünschten Ergebnis führten, in die Tat um, schlage ich, entwickel mich damit selbst auf den Stand eines Kindes zurück. Von dem, was dies in dem Kind auslöst und mit der Bindung des Kindes zum Erwachsenen anstellt, gar nicht erst zu reden.
Ist diese Ankündigung nur ein leeres Versprechen, lernt das Kind, dass ich nicht umsetze, was ich sage. Wenn ich schon meinem eigenen Wort nicht folge, warum sollte es dann ein Kind tun?

Einst war ich dabei, als ein Elternteil, dass von einem Kind während des Einkaufens genervt war, sagte: "Wenn du jetzt nicht ruhig bist, stecke ich dich in diese Gefriertruhe und gehe nach Hause."
Ich war entsetzt - und ich schwieg. Obwohl diese Erinnerung bereits einige Jahre alt ist, bin ich von ihr noch geschockt. Was löst eine solche Aussage in einem kleinen Kind aus?

Wie viel Kraft und welche Energie steckt wirklich in mir?

Warum kostet es einen Erwachsenen so viel Kraft, nicht die Hand zu erheben? Warum braucht es so unendlich viel mehr Kraft, Mut aufzubringen und aufzustehen, wenn ein Kind geschlagen wird?
Was mich persönlich betrifft, werde ich die Antwort nicht hier ausbreiten. Es reicht, wenn ich die Gründe kenne, denn damit kann ich bei mir selbst etwas bewirken.
Als viel wichtiger sehe ich, dass ein jeder diese Fragen selbst beantwortet, für sich. Wenn der Grund gefunden ist, kommt zunehmend auch die Energie, in der einen Situation die Hand zu senken und in der anderen aufzustehen.

Warum ist mir das wichtig?

Wie kann ich mir wünschen, dass ich niemals am eigenen Leib einen Krieg erleben werde, wenn ich Gewalt in Kindern säe oder zuschaue, wie andere dies tun?
Ich möchte sehen, das Menschen Konflikte lösen, ohne jemanden körperlich zu verletzen. Da ich der festen Überzeugung bin, dass ich nur erlebe, was ich auch vorlebe, liegt es mir, genau dies in die Tat umzusetzen. Ich habe noch nicht den Mut jedes Mal aufzustehen. Aber ich habe den Mut, meine Gedanken nieder zu schreiben und zu teilen.

Namasté

Sonntag, 3. August 2014

Über die Erste Erkenntnis

ISBN: 978-3-548-74119-2

Eine uralte Handschrift

"Er behauptete, dass die Handschrift aus dem Jahr 600 vor Christus stammte und eine massive Transformation der menschlichen Gesellschaft voraussagt."
"Für wann?"
"Für die letzten Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts."
"Für jetzt?"
"Ja, jetzt."
"Um was für eine Transformation soll es sich denn handeln?", fragte ich.
Sie wirkte ein wenig verlegen, bevor sie mit Nachdruck weiter sprach. "Der Priester ließ mich wissen, dass es sich um eine Wiedergeburt des Bewusstseins handelt, die sehr langsam vonstatten geht. Sie ist spiritueller und nicht religiöser Natur. Wir sind angeblich dabei, etwas bahnbrechend Neues über die menschliche Lebensform auf diesem Planeten zu entdecken, etwas, das uns den Sinn unserer Existenz erklären und unsere Kultur dramatisch verändern wird."
Wieder hielt sie inne und fügte hinzu: "Der Priester sagte mir, dass die Handschrift aus unterschiedlichen Abschnitten bestehe, von denen jeder eine besondere Erkenntnis über unser Leben enthält. Die Schrift sagt voraus, dass die Menschen unserer Zeit damit beginnen werden, diese Erkenntnisse eine nach der anderen zu verstehen, und sich dadurch auf eine vollkommen spirituelle Daseinsform zubewegen."
(S. 13)

Die innere Unruhe

"Genau das ist es! Zuerst sind wir verunsichert. Dem Manuskript zufolge beginnt damit unsere Einsicht in eine andere, neue Form des Erlebens... Gewisse Lebenssituationen scheinen urplötzlich eine andere Qualität zu haben, sie sind intensiver und anregender. Doch wissen wir weder, was das Wesen dieser Erfahrung ist, noch wie wir diese inspirierenden Momente halten können. Und wenn sie vorüber sind, fühlen wir uns unbefriedigt und rastlos, gefangen in einem Leben, das nun wieder gewöhnlich und uninteressant zu sein scheint."
"Du meinst, dass innere Unruhe hinter dem Ausbruch der Frau gestanden hat?"
"Ja. Sie unterscheidet sich darin kein bisschen von uns. Wir alle suchen nach einem kleinen bisschen mehr Erfüllung und wollen nichts mehr mit Dingen zu tun haben, die uns runterziehen. Diese Unruhe steht hinter dieser 'Ich-zuerst'-Einstellung der letzten Jahrzehnte und betrifft jeden, von den Jungs auf der Wall Street bis hin zu denen in den Straßengangs."
Sie sah mir direkt in die Augen. "Und was Beziehungen angeht, haben wir so hohe Anforderungen entwickelt, dass wir sie nahezu unmöglich machen."
Automatisch erinnerte ich mich bei diesen Worten an meine beiden letzten Beziehungen. Beide hatten mit der gleichen Intensität begonnen und waren vor Ablauf eines Jahres gründlichst gescheitert. Als ich meine Aufmerksamkeit wieder Charlene zu wandte, wartete sie noch auf meine Antwort.
"Und was machen wir in unseren Beziehungen falsch?" fragte ich.
"Auch darüber habe ich mit dem Priester lange Zeit gesprochen", erwiderte sie. "Er meinte, dass ein Krieg des Egos unvermeidlich ist, wenn beide Partner innerhalb einer Beziehung zu fordernd sind und vom anderen verlangen, in seiner Welt aufzugehen oder für seine Aktivitäten dauernd verfügbar zu sein."
Was sie sagte, kam mir nur allzu bekannt vor. Meine beiden letzten Beziehungen waren im wahrsten Sinne des Wortes zu reinen Machtkämpfen verkommen. In beiden hatte sich ein starker Interessenkonflikt gezeigt, war alles zu schnell gegangen. Wir hatten uns zuwenig Zeit genommen, um über unsere unterschiedlichen Ansichten zu sprechen, Ansichten darüber, was wir mit unserer Zeit anfangen sollten, welchen Weg wie einschlagen und welchen Interessen wir gemeinsam nachgehen sollten. Am Ende war der Streit darüber, wer den Ton angab und den Tagesablauf bestimmte, zu einem unüberwindlichen Hindernis geworden.
"Aufgrund dieser Machtkämpfe", fuhr Charlene fort, "wird es immer schwieriger, mit einer Person für längere Zeit zusammenzubleiben."
"Klingt nicht sonderlich spirituell."
"Das habe ich dem Priester auch gesagt", erwiderte sie. "Doch gab er zu bedenken, dass die meisten gesellschaftlichen Missstände auf diese innere Unruhe zurückzuführen seien; dass diese Probleme nur vorübergehender Natur sind und schließlich überwunden werden. Dann werden wir endlich verstehen, wonach wie eigentlich suchen und was diese scheinbar so erfüllende Erfahrung in Wirklichkeit ausmacht. Und in dem Augenblick werden wir die Erste Erkenntnis gewonnen haben."
(S. 15f.)


Samstag, 4. Januar 2014

Sei achtsam mit mir

Gestern hatte ich eines dieser wunderbaren Erlebnisse mit Lutz (3 Jahre, 11 Monate). Mir erscheint er zur Zeit sehr rabiat und aggressiv - zum einen im Tonfall seinen Mitmenschen gegenüber (gleich ob erwachsende Familienmitglieder oder der kleine Bruder), zum anderen handgreiflich. Insbesondere gegenüber dem kleinen Bruder beobachte ich häufig, wie er haut, schubst und an dem Jüngeren herum zerrt. Mich frustriert es insbesondere, da ich weiß, dass Lutz auch anders handeln kann. In der Tagespflege geht er auch mit jüngeren Kindern freundlicher und lösunsorientiert um. Mir ist auch die Ursache bewusst, aus der Lutz handgreiflich oder verbal aggressiv wird. Er fühlt sich hilflos und hat Angst (z.B. um sein Spielzeug, das der kleine Bruder kaputt machen könnte).

Mit der Absicht, gemeinsam mit ihm einen anderen Lösungsweg zu finden, begann ich das Gespräch mit Lutz und dieser kleine Dialog entstand:
"Was können wir tun, damit du freundlicher zu deinem Bruder bist? Was kann ich tun, wenn du ihn haust oder ihn schubst oder wenn du es tun willst?" - "Achtsam sein." - "Mhmm, und wer kann achtsam sein? Du oder ich?" -  "Du." - "Ich kann achtsamer mit dir sein?" - "Ja, du kannst achtsamer sein." - "Und wenn du deinen Bruder hauen willst, wie hilft es dann, dass ich achtsamer bin?"
Diese Frage konnte Lutz mir nicht beantworten und ich denke, dass ist von einem fast vierjährigen Kind auch viel zu viel erwartet. Die Antwort hatte ich selbst zu finden.

Achtsamer sein.

Bedeutet das, eher einzugreifen? Den Jüngeren rechtzeitig vom Spielzeug des Älteren fern zu halten? Heißt das, bei jedem drohenden Konflikt umgehend da zu sein und mindestens zu beobachten, aufmerksam zu sein?
Ich denke nicht, denn mal abgesehen davon, dass die beiden zu lernen haben, mit Konflikten umzugehen, ist so etwas im Alltag auch absolut unpraktikabel. Die Lösung kam mir ein paar Stunden später im Gespräch zwischen uns Erwachsene.
"Du kannst achtsamer sein", hatte Lutz gesagt - und das nicht auf eine bestimmte Situation bezogen. Trotz meines Bezugs zu einer direkten Konfliktsituation, hatte Lutz dies so nicht verbalisiert. Meine Lösung zu seinen Worten ist ebenso einfach wie herausfordernd: Ich kann generell achtsamer sein. Ich kann das Problem an seiner Wurzel angehen.

Mir ist doch längst bewusst, dass Lutz handgreiflich und laut wird, wenn er sich hilflos und ängstlich fühlt. Und im Grunde kenne ich auch die Bedürfnisse, die dahinter stecken, auch wenn sie je nach Situation ein wenig variieren mögen. Gewöhnlich sind es die Bedürfnisse nach Schutz, Geborgenheit, Gesellschaft, Aufmerksamkeit und Selbstständigkeit.
Wie oft, wenn Lutz laut und wild ist und ich meine Ruhe haben möchte, schicke ich ihn in ein anderes Zimmer, wo er für sich lärmen kann, so viel er will? Aber es geht im gar nicht darum, zu lärmen. Es geht ihn um Gesellschaft und Aufmerksamkeit. Und wenn es am Ende gar Tränen gibt, unter denen Lutz doch ins andere Zimmer geht, habe ich zwar mein Bedürfnis nach Ruhe gestillt, doch was tat ich ihm an? Schürte ich in ihm nicht eher die Angst des verlassen Werdens und des Verlustes? Spürt er diese Angst des Verlustes nicht ebenso, wenn es um sein Spielzeug geht? Und wenn ich nun daran denke, was ich von Gerald Hüther lernte, nämlich, dass diese Form der Angst im Hirn die gleichen Regionen aktiviert, die bei aktiviert werden, wenn man körperliche Gewalt erfährt, ist es dann nicht vollkommen logisch, dass Lutz aggressiv wird?

Wenn ich also möchte, dass Lutz freundlicher mit anderen Menschen und insbesondere mit seinem kleinen Bruder umgeht, dann habe ich daran zu schaffen, dass er diese Gefühle der Verlustangst und des Mangels erst gar nicht derart entwickelt. Es ist an mir, achtsamer zu sein, seine Bedürfnisse zu erkennen und sie zu befriedigen. Und das nicht erst, in der Konfliktsituation, sondern lange, lange vorher und immer wieder aufs Neue.

Montag, 30. Dezember 2013

Was hat eigentlich deine Begeisterung mit deiner Zukunft zu tun?

Gerald Hüther erklärt:



"Ständig steigender materieller Wohlstand ist das Glücksversprechen der westlichen Kultur. Dieses einzulösen, wird immer schwieriger. Dafür gibt es viele Gründe. Doch was geschieht, wenn dieses Glücksversprechen nicht mehr erfüllt wird? Solange die Bevölkerungen der früh industrialisierten Länder darauf ausgerichtet bleiben, ihren materiellen Wohlstand zu mehren, wird dessen Rückgang zu heftigen Reaktionen führen - bis hin zur Infragestellung der freiheitlich-demokratischen Ordnung. Solchen Reaktionen gilt es vorzubeugen oder sie zumindest zu dämpfen. Deshalb sollten materielle Wohlstandseinbußen durch nicht-materielle Wohlstandsformen ausgeglichen werden."


Sonntag, 21. Juli 2013

Gott über den Einfluss der Eltern

ISBN 978-3-442-21786-1
[...] ihr wisst nicht, wer-ihr-seid, und glaubt, sehr viel weniger zu sein. Und woher habt ihr die Vorstellung, daß ihr sehr viel weniger großartig seid, als ihr seid? Von den einzigen Menschen, deren Wort alles für euch gilt: von eurer Mutter und eurem Vater.
Das sind die Menschen, die ihr am meisten liebt. Warum sollten sie euch anlügen? Aber haben sie euch nicht gesagt, daß ihr zu sehr dies und zuwenig das seid? Haben sie euch nicht ermahnt, daß man euch zwar sehen, aber nicht hören soll? Haben sie euch nicht in manchen Momenten eures größten Überschwangs zurechtgewiesen? Und haben sie euch nicht dazu ermuntert, von einigen eurer wildesten und kühnsten Vorstellungen abzulassen?
Das sind die Botschaften, die ihr empfangen habt, und obwohl sie den Kriterien nicht entsprechen und somit keine Botschaften von Gott sind, könnten sie es doch ebenso gut sein, denn sie kamen ja von den Göttern eures Universums. Eure Eltern waren es, die euch lehrten, daß Liebe ihre Bedingungen hat - Bedingungen, die ihr viele Male zu spüren bekommen habt -, und das ist die Erfahrung, die ihr in eure eignen Liebesbeziehungen hineintragt.
Das ist auch die Erfahrung, die ihr mir zutragt.
Aus dieser Erfahrung zieht ihr eure Schlüsse in bezug auf mich. Innerhalb dieses Kontexts sprecht ihr eure Wahrheit. "Gott ist ein liebender Gott", sagt ihr, "aber wenn du seine Gebote übertrittst, wird er dich mit ewiger Verbannung und Verdammnis bestrafen."
Denn habt ihr nicht erlebt, daß eure Eltern euch verbannten? Kennt ihr nicht den Schmerz ihrer Verdammung? Wie solltet ihr euch denn da vorstellen können, daß es mit mir anders ist? [...]
Ihr hat die "Elternrolle" auf Gott projiziert und seid so zu einer Vorstellung von einem Gott gelangt, der richtet und belohnt oder bestraft, je nachdem, wie gut er das findet, was ihr da angestellt habt.
aus: "Gespräche mit Gott - Ein ungewöhnlicher Dialog - Band 1" Seite 39ff

Sonntag, 10. Februar 2013

Gott über seine Beziehung zu mir

ISBN 978-3-442-21786-1
Es bekümmert mich nicht, was du tust, und das zu hören ist für dich hart. Doch bekümmert es dich denn, was deine Kinder tun, wenn du sie zum Spielen hinausschickst? Ist es für dich von irgendwelcher Bedeutung, ob sie Fangen oder Verstecken oder Ochs am Berg spielen? Nein - und zwar weil du weißt, daß sie sich in Sicherheit befinden. Du hast sie in eine Umgebung gebracht, die nach deinem Dafürhalten freundlich und ausgesprochen in Ordnung ist.
Selbstverständlich wirst du immer hoffen, daß sie sich nicht verletzen. Und wenn es geschieht, bist du da und hilfst ihnen, heilst sie, läßt sie sich wieder sicher fühlen, wieder glücklich sein und wieder hinausgehen und einen weiteren Tag mit Spielen verbringen. Aber ob sie nun Fangen oder Verstecken spielen wollen, ist auch am nächsten Tag für dich ohne Belang.
Du wirst ihnen natürlich sagen, welche Spiele gefährlich sind. Aber du kannst deine Kinder nicht davon abhalten, daß sie gefährliche Dinge tun. Nicht immer. Nicht für alle Zeiten. Nicht in jedem Augenblick von jetzt an bis zum Tod. Kluge Eltern wissen das. Und doch hören Eltern nie auf, sich um das Resultat zu sorgen. Mit dieser Dichotomie - sich einerseits nicht sonderlich um den Prozeß bekümmern, doch sich andererseits zutiefst um das Resultat sorgen - läßt sich annähernd die Dichotomie Gottes beschreiben.
aus: "Gespräche mit Gott - Ein ungewöhnlicher Dialog - Band 1" Seite 35