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Sonntag, 23. April 2017

Ein Schatz voll Wahrheiten und Inspirationen

Es ist stimmig, dass der erste Post auf dem neuen Blog den Menschen gewidmet ist, die einen großen Anteil daran haben, dass es diese Seite überhaupt gibt; wenngleich der Beitrag aus organisatorischen Gründen zuerst auf meinem alten Blog (diesem hier) erscheint.

Eine Familie beeinflusst mein Leben


Ich meine Ka Sundance mit seiner Frau Katie und ihren gemeinsamen Kindern Benny, Jaro, Ronja, Joa, Luna und Sofia. Seit 2012 begleitet mich diese Familie, wobei - ehrlicherweise begleite ich eher sie. Ihnen wird vermutlich erst allmählich bewusst, dass ich überhaupt existiere. Ihr Einfluss auf mein Leben verschwindet für sie vermutlich an den Rand der Bedeutungslosigkeit, fühlen sich doch viele tausend Menschen weltweit von den Sundancers inspiriert.
Dank der Videos auf YouTube hatte ich den letzten Jahren viele Gelegenheiten, die Familie zu erleben. Wenngleich ich der Roh-Veganen-Ernährung (Mit diesem Thema beschäftigte sich Ka hauptsächlich, als ich die Familie im Internet entdeckte.), weiterhin skeptisch gegenüberstehe, sprach Ka so viele Wahrheiten aus, mit denen ich mich zum damaligen Zeitpunkt und bis heute beschäftige.

Mit 6 Kindern um die Welt

Nirgendwo wohnen, überall leben - wie wir das Glück suchten und fanden


Nach einigen eBooks veröffentlichte Ka im April 2017 sein erstes Buch zum Anfassen.
Obwohl ich bereits fast alles weiß, was es im Internet über die Familie zu lesen und zu sehen gibt, war mein Entschluss, das Buch zu kaufen, schnell gefasst. Beim Lesen wuchs meine Vorfreude zu Begeisterung!

ISBN 978-3-7423-0105-5
Mit leichten Worten, Witz und Charme berichtet Ka von seinen Reiseerlebnissen. Kleine Anekdoten, die noch nicht auf YouTube erzählt worden sind, halten auch für alte Hasen unter den Sundance-Fans Neuigkeiten zum Schmunzeln bereit. Doch für mich befindet sich der Schatz in diesem Buch nicht bei den Reiseberichten. Die Videos auf YouTube sind um weiten eindrucksvoller und weckten selbst bei mir eine Sehnsucht in die Ferne.

Das Juwel liegt in der Erfahrung eines Mannes, der trotz großer Steine auf seinem Weg, seinem Traum folgt und diesen, mit der Unterstützung seiner Familie, lebt. Ka erzählt, wie er die Lieben seines Lebens fand (Katie und das Reisen!), und wie im Laufe der Jahre seine Familie wächst. Er führt mich, als Leserin, nicht nur in ferne Länder, sondern auch auf eine Reise in die Armut, Ungewissheit und in Ängste. Meine Existenzängste, die er ähnlich vielleicht auch einst gehabt hat. Ebenso begleitet er mich wieder hinaus, indem er immer wieder von dem unerschütterlichen Glauben berichtet und wie seine Familie dank diesem stets neue Wunder erfuhr.

Ganz nebenbei spricht er Themen an, die zum Teil in Deutschland noch nicht gesellschaftsfähig sind, die seine Familie aber ganz selbstverständlich lebt. Die Art, wie Katie und Ka ihre Kinder im Leben begleiten. Schlüsselworte, bei denen ich allzu oft verständnislose Blicke ernte, wenn ich sie erwähne.
Natürliche Hausgeburten, windelfreie Erziehung, Familienbett, Kinder körpernah tragen, Krankheiten durch eine Änderung des Lebenswandels und der Ernährung heilen und das große Tabu-Thema: Schulfrei lernen.
Die Familie Sundance lebt all dies natürlich und ebenso erzählt Ka von seinen Beweggründen und Erfahrungen, ohne sich dabei in einen Moralapostel zu verwandeln.

„Denn selbst Gesundheit, Geld und viel Freizeit machen nicht automatisch glücklich. Es braucht mehr. Für wahres Glück braucht es Bedeutung.“ - Ka Sundance

Gleichermaßen authentisch berichtet er von der Entstehung und dem Wachstum eines Online-Unternehmens, das sich stetig wandelt. Während ich von dem System des Business und die Art, wie es weitergegeben wird, bereits seit Anfang des Jahres überzeugt bin, mag bei so manchem Skeptiker dieses Buch dazu beitragen und ihn inspirieren. Es ist eine weitere Wahrheit, dass es möglich ist, frei, unabhängig und mit geringem Aufwand einen solchen Lebensstil zu genießen. Katie und Ka sind als Wegbereiter, Mentoren und Inspiratoren etwas Besonderes, doch schon lange nicht mehr die Einzigen, die diesen Traum leben.

Die Krone unter all den Juwelen in diesem Buch besteht aus dem letzten Kapitel. Hier wird eine Vision in Worte gepackt und verbreitet, um ihre Energie ans Universum zu senden. Ich bin überzeugt, dass es den Sundancers gelingen wird, ihren Traum Realität werden zu lassen. Nicht nur, weil es ihnen bisher immer gelang, sondern weil unsere Welt genau so eine Realität braucht. Die Zeit dazu ist gekommen und ich werde mein Bestes geben, um meinen Teil dazu beizutragen.

Sunny

P.S.: Hier gibt es das Buch online zu kaufen: www.mit6kindernumdiewelt.de
(Auch wenn ich immer dafür bin, den lokalen Handel zu unterstützen und Bücher durch Bestellungen bei der Buchhandlung bekannt zu machen. ;) )

Samstag, 18. Juli 2015

Ein Glied in der Kette der Freude

ISBN-13: 978-3-7787-7173-0
„Salomon, warum sind die Leute so gemein?“
Sind denn wirklich alle Menschen gemein, Sara? Das war mir noch gar nicht aufgefallen.
„Na ja, vielleicht nicht alle, aber die meisten schon. Ich verstehe nur nicht, warum. Wenn ich gemein bin, fühle ich mich schrecklich.“
Wann bist du gemein, Sara?
„Meistens, wenn jemand anders zuerst gemein war. Ich glaube, ich werde dann gemein, um es ihm heimzuzahlen.“
Hilft das?
„Ja“, antwortete Sara kleinlaut.
Und wie, Sara? Fühlst du dich besser, wenn du es ihnen heimzahlst? Ändert das etwas oder kannst du dadurch ihre Gemeinheit ungeschehen machen?
„Wahrscheinlich nicht.“
Nach meiner Erfahrung setzt das nur noch mehr Gemeinheit in die Welt. Es ist so, als würdest du ein Glied in der Kette des Schmerzes werden. Erst leiden sie, dann leidest du und dann trägst du dazu bei, dass jemand anders leidet und so weiter.
„Aber wer hat denn mit dieser schrecklichen Kette des Schmerzes angefangen?“
Es spielt eigentlich keine Rolle, wie das alles angefangen hat. Wichtig ist, was du damit machst, wenn sie dich erreicht. Worum geht es hier, Sara? Warum bist du ein Teil der Kette des Schmerzes geworden?
Sara, der speiübel war, erzählte Salomon von Donald, dem Neuen, und von seinem ersten Schultag. Sie sprach von den Angebern, die immer etwas zu finden schienen, mit dem sie Donald aufziehen konnten. Sie erzählte auch von dem Vorfall, der sich gerade erst im Flur abgespielt hatte. Und als sie beim Berichten diese Vorfälle noch einmal durchlebte, spürte sie, wie in ihr wieder die Wut hochkam. Als sich eine Träne aus ihrem Auge stahl und ihr die Wange hinunterlief, wischte sie sie wütend mit dem Ärmel weg. Sara war verstört darüber, dass sie schniefte und schluchzte, statt sich wie sonst angeregt mit Salomon zu unterhalten. So sollte es bei Salomon überhaupt nicht sein.
Die Eule war lange Zeit still, während chaotische Gedanken durch Saras Kopf schossen. Sie spürte, dass Salomon sie aus seinen großen liebevollen Augen beobachtete, aber es war ihr überhaupt nicht peinlich. Fast schien es, als ob Salomon etwas aus ihr herauslocken wollte.
Also, klar ist, was ich nicht will, dachte Sara. Ich möchte mich nicht so fühlen. Besonders dann nicht, wenn ich mit Salomon rede.
Sehr gut, Sara. Du hast gerade ganz bewusst den ersten Schritt gemacht, um die Kette des Schmerzes zu durchbrechen. Du hast ganz bewusst erkannt, was du nicht willst.
„Und das ist gut?“; staunte Sara. „Ich fühle mich aber gar nicht gut!“
Das liegt daran, dass du nur den ersten Schritt gemacht hast, Sara. Es gibt noch drei weitere.
„Was ist der nächste Schritt, Salomon?“
Also, Sara, es ist nicht schwer herauszufinden, was du nicht willst. Stimmst du mir zu?
„Ja, wahrscheinlich schon. Also, meistens weiß ich das schon.“
Woher weißt du, dass du an etwas denkst, das du nicht willst?
„Ich weiß es einfach irgendwie.“
Du weißt es, weil du dann etwas Bestimmtes fühlst, Sara. Wenn du über etwas sprichst oder an etwas denkst, das du nicht willst, nimmst du immer ein negatives Gefühl wahr - Wut, Enttäuschung, Verlegenheit, Schuld oder Angst. Dir geht es nicht gut, wenn du an etwas denkst, das du nicht willst.
Sara dachte an die vergangenen Tage, in denen sie mehr negative Gefühle gehabt hatte als sonst. „Du hast Recht, Salomon“, sagte sie. „Ich habe das in der letzten Woche oft gespürt, wenn ich gesehen habe, wie die fiesen Typen auf Donald herumhacken. Seit ich dir begegnet bin, bin ich so glücklich gewesen. Und dann wurde ich so wütend, weil sie Donald fertig machten. Ich kann jetzt sehen, dass meine Gefühle etwas damit zu tun haben.“
Gut, Sara. Dann wollen wir jetzt über den zweiten Schritt reden. Wenn du weißt, was du nicht willst, sollte es dann nicht einfach sein, herauszufinden, was du willst?„Also...“, begann Sara, die verstehen wollte, aber nicht sicher war, worauf das hinauslief.
Wenn du krank bist, was möchtest du dann?
„Ich möchte gesund werden“, antwortete Sara spontan.
Wenn du nicht genug Geld hast, um dir etwas zu kaufen, das du haben möchtest, was wünscht du dir dann?
„Mehr Geld“, kam die Antwort.
Siehst du, Sara, das ist der zweite Schritt, um die Kette des Schmerzes zu zerbrechen. Schritt eins ist die Erkenntnis dessen, was du nicht willst. Schritt zwei besteht darin, dich zu entscheiden, was du willst.“
„Also, das ist ja einfach.“ Sara ging es allmählich besser.
Der dritte Schritt ist der wichtigste, Sara. Diesen kennen die meisten Menschen nicht. Schritt drei lautet: Sobald du erkannt hast, was du möchtest, musst du es wirklich fühlen. Du musst darüber sprechen, warum du es willst; beschreiben, wie es wäre, es zu haben; es erklären; so zu tun, als ob du es hättest oder dich an etwas Ähnliches erinnern. Auf jeden Fall musst du so lange daran denken, bist du es fühlst. Beschäftige dich so lange mit dem, was du möchtest, bis du ein Gefühl des Wohlbehagens verspürst.Sara traute ihren Ohren nicht. Salomon ermutigte sie doch tatsächlich, ihre Zeit damit zu verbringen, sich Dinge vorzustellen. Deshalb hatte sie ja schon mehr als einmal Ärger gehabt. Es schien, als ob Salomon ihr das genaue Gegenteil von dem erzählte, was ihr die Lehrer in der Schule beizubringen versuchten. Aber sie hatte gelernt, Salomon zu vertrauen. Und sie war auf jeden Fall bereit, etwas Neues auszuprobieren. Was ihr die Lehrer erzählt hatten, funktionierte ja offensichtlich nicht.
„Warum ist der dritte Schritt der wichtigste, Salomon?“
Weil du erst dann wirklich etwas veränderst, wenn du deine Gefühle verändert hast. Sonst bleibst du ein Glied in der Kette des Schmerzes. Aber wenn du deine Gefühle veränderst, bist du ein Glied in der anderen Kette - man könnte sagen, in Salomons Kette.„Wie heißt denn deine Kette, Salomon?“
Eigentlich habe ich ihr keinen Namen gegeben. Man muss sie fühlen. Aber man könnte sie Kette der Freude nennen oder Kette des Wohlbefindens. Die Glückskette. Es ist eine ganz natürliche Kette, Sara. Das ist es, was wir wirklich sind.„Aber wenn sie so natürlich ist, wenn sie das ist, was wir alle sind, warum fühlen sich dann nicht mehr Menschen öfter gut?“
Die Menschen, wollen, dass es ihnen gut geht, und die meisten Menschen wollen auch sehr gern gut sein. Und das ist gerade Teil des Problems.„Was soll das heißen? Wie kann es ein Problem sein, wenn man gut sein möchte?“
Also, Sara, die Leuten möchten gut sein. Daher schauen sie sich an, wie andere Leute leben, um herauszufinden, was gut ist. Sie schauen sich die Verhältnisse an, in denen sie leben, und dann sehen sie Dinge, die sie für gut halten, und Dinge, die sie für schlecht halten.„Und das soll schlecht sein? Was soll denn daran schlecht sein, Salomon?“
Mir ist aufgefallen, dass die meisten Menschen nicht darauf achten, wie sie sich fühlen, wenn sie sich die Verhältnisse - gut oder schlecht - anschauen. Und da läuft die Sache aus dem Ruder. Statt sich bewusst zu sein, dass sich das, was sie sich anschauen, auf sie auswirkt, achten sie auf ihrer Suche nach dem Guten immer auf das Schlechte und versuchen, es wegzudrängen. Das Problem dabei ist einfach, dass sie Glieder in der Kette des Schmerzes geworden sind, wenn sie immer das ablehnen, was sie für schlecht halten. Die Menschen sind mehr daran interessiert, sich die Verhältnisse anzuschauen, die zu analysieren und zu vergleichen, als darauf zu achten, wie sie sich dabei fühlen. Und häufig ziehen sie die Verhältnisse wieder in die Kette des Schmerzes hinein.Sara, denk einmal an die letzten Tage. Versuch dich an deine stärksten Gefühle zu erinnern. Was war geschehen, als es dir in der letzten Woche so schlecht ging, Sara?„Ich fühlte mich furchtbar, als Tommy und Lynn sich über Donald lustig machten. Mir ging es schrecklich, als die Kinder Donald ausgelacht haben. Aber am schlimmsten fühlte ich mich, als Donald mich anschrie. Dabei habe ich doch nur versucht, ihm zu helfen, Salomon.“
Gut, Sara. Lass und darüber reden. Was hast du getan, als du dich so mies gefühlt hast?„Ich weiß nicht, Salomon. Eigentlich habe ich gar nichts getan. Ich hab‘ wohl die meiste Zeit zugeschaut.“
Das ist genau richtig, Sara. Du hast die Situation beobachtet. Aber die Situationen, die du beobachtest, sind genau diejenigen, die dich dazu bringen, ein Glied in der Kette des Schmerzes zu werden.„Aber Salomon“, erwiderte Sara, „wie soll man denn das, was falsch ist, nicht sehen? Und wie soll man sich denn nicht schlecht fühlen, wenn man es sieht?“
Eine sehr gute Frage, Sara. Ich verspreche dir, dass ich sie dir ausführlich beantworten werde, wenn die Zeit gekommen ist. Ich weiß, dass es nicht einfach ist, dies alles auf einmal zu verstehen. Der Grund, warum es zuerst schwierig ist, es zu verstehen, ist einfach der, dass man dir beigebracht hat, etwas außerhalb deiner selbst zu beobachten - dass man dir aber nicht beigebracht hat, zu beobachten, wie du dich dabei fühlst. Folglich bestimmen äußere Situationen und Verhältnisse dein Leben. Wenn du etwas Gutes siehst, reagierst du darauf mit einem guten Gefühl, und wenn du etwas Schlechtes siehst, reagierst du darauf mit einem schlechten Gefühl. Weil Dinge außerhalb von euch selbst euer Leben bestimmen, sind viele von euch so frustriert. Deshalb werden auch weiterhin so viele Menschen Glieder in der Kette des Schmerzes werden.„Wie kann ich denn aus der Kette ausbrechen, damit ich auch anderen helfen kann auszusteigen?“
Nun, Sara, dafür gibt es viele Möglichkeiten. Aber die, die mir am besten gefällt, weil sie am schnellsten funktioniert, ist die: Denke Gedanken der Anerkennung und Dankbarkeit.„Anerkennung und Dankbarkeit?“
Ja, Sara. Konzentriere dich auf irgendetwas oder irgendjemanden und finde die Gedanken, durch die es dir am allerbesten geht. Erkenne andere Menschen oder Situationen so gut wie möglich an, würdige sie, lerne sie schätzen, sei ihnen dankbar, erkenne das Gute in ihnen. Das ist die beste Möglichkeit, ein Glied in der Kette der Freude zu werden.Weißt du noch, was der erste Schritt ist?„Zu erkennen, was ich nicht will“, antwortete Sara wie aus der Pistole geschossen. Das hatte sie begriffen.
Und der zweite Schritt?„Zu erkennen, was ich will.“
Sehr gut, Sara. Und der dritte Schritt?„Ach Salomon, das hab‘ ich vergessen“, jammerte Sara, die wegen ihres schlechten Gedächtnisses von sich selbst enttäuscht war.
Der dritte Schritt besteht darin, das Gefühl zu finden, das zu dem passt, was du willst. So lange darüber zu reden, bis du fühlst, dass du es bereits hast.„Salomon, du hast mir noch nicht gesagt, was der vierte Schritt ist“, fiel Sara plötzlich ein.
Ah ja, der vierte Schritt ist der beste, Sara. Jetzt bekommst du nämlich, was du möchtest. Schritt vier ist die so genannte psychische Manifestation deines Wunsches.Viel Spaß dabei, Sara, und streng dich nicht zu sehr dabei an. Übe einfach Anerkennung und Dankbarkeit. Das ist der Schlüssel. S. 61-69

Donnerstag, 27. November 2014

Von der Kraft, die Hand zu senken und aufzustehen

In den letzten beiden Wochen las ich gleich drei Blog-Artikel zum Thema "Gewalt gegen Kinder". Angefangen hat es in dem Blog Geborgen Wachsen mit einem Aufruf gegen Gewalt gegen Kinder. Weiter ging es in dem Blog Wunschkind - Herzkind - Nervkind mit der Aktion: Kinder sind unschlagbar. Vor wenigen Minuten las ich den Eintrag Es hat dir nicht geschadet in der Jazzlounge.

Von meinen Taten und Nicht-Taten


Mir wird bei diesem Thema das Herz eng. Ich fühle regelrecht, wie sich etwas um mein Herz legt und mir kalt wird. Es sind keine Erinnerungen aus meiner Kindheit, die dies hervor rufen. Es sind meine Taten - und vor allem meine Nicht-Taten.

Während ich noch darüber nachdenke, kommen mir diese Worte in den Sinn: Mit dem Schlagen von Kindern aufzuhören, ist eine ebenso große Herausforderung, wie mit dem Rauchen aufzuhören. Was mich persönlich betrifft, ist die Herausforderung sogar größer. Ich rauche seit etwa sieben Jahren nicht mehr. Wann habe ich das letzte Mal einem Kind einen Klaps gegeben?

Wie kommt es überhaupt dazu?

Ich kann nur von mir persönlich,  meinen eigenen Taten und Nicht-Taten erzählen. Wie komme ich dazu, einem Kind einen Klaps zu geben? (Das Wort "schlagen" möchte ich noch nicht einmal denken, und doch ist auch ein Klaps ein Schlag!)
Ich bin überfordert. Es mag angestauter Stress des Tages sein, Wut über irgendetwas oder irgendjemanden und - oder auch einzig - ein unfolgsames, vielleicht zusätzlich quängelndes Kind. Wer kann sich von so etwas freisprechen? Kannst du es? Wirklich? Dann bewahre es dir.

Ich erinnere mich sehr genau an die Situation, als ich das letzte Mal einem Kind einen Klaps gegeben habe. Es fällt mir dagegen nicht mehr ein - und dafür bin ich sehr dankbar - wann diese Situation war. Es ist schon eine ganze Weile her und es war tatsächlich das letzte Mal.
Danach gab es noch häufig Situationen, in denen ich die Hand erhoben hatte. Ich hatte meine große Hand gegen ein kleines Kind erhoben im Begriff zuzuschlagen (Irgendwie klingt "einen Klaps geben" wesentlich harmloser.) und habe es nicht getan. Ich hatte rechtzeitig bemerkt, was ich zu tun im Begriff war. Ich glaube, ich habe in diesem Moment jedes Mal die Hand sinken lassen und das Kind umarmt - ganz gleich, was die Situation ausgelöst hatte, womit das Kind meine Ohnmacht hervorgerufen hatte. Ich hatte sie in diesem Moment überwunden und war voll Dankbarkeit. Auch eine solche Begebenheit ist bereits eine kleine Weile her. Darüber bin ich sehr froh und dankbar.

Weil Kinder weniger Mensch sind, als Erwachsene?

Ich bin eine erwachsene Frau. Ich habe 34 Jahre Lebenserfahrung gesammelt. Zu einigen Themen habe ich einen sehr hohen Anspruch an mich selbst und dazu gehört, dass ich nicht schlage.
Ich käme niemals auf die Idee, einen anderen erwachsenen Menschen zu schlagen, gleich wie beschissen mein Tag war oder wie sehr diese Person mir auf die Nerven gehen mag. Es gibt etliche Situationen und Menschen, bei denen ich dieses Bedürfnis Verlangen mitunter habe - doch setze ich es nicht in die Tat um.
Warum tat ich es bei kleinen Kindern? Warum tun es so viele Erwachsene bei Kindern?
Der Grund mag in den Erfahrungen eines jeden schlagenden Menschen liegen, doch in der unmittelbaren Situation gibt es meines Erachtens nur einen einzigen Grund. Der Erwachsene hat sich auf den geistigen und emotionalen Stand eines Kindes zurückentwickelt.

Weil ich im Innern ein Kind bin?

Ich habe beobachtet, dass Kinder schlagen und schubsen. Auch in Haushalten, in denen Kinder keine körperliche Gewalt erfahren, schlagen und schubsen sie andere Kinder häufig, noch ehe sie ihren ersten Geburtstag gefeiert haben. Schlagen ist ein Ausdruck von Ohnmacht. Und grade Kleinstkinder, die sich noch nicht verbal mitteilen können, entdecken das Schlagen für sich als ein Instrument des Sich-Mitteilens. Wenn sie damit erfolgreich sind, setzten sie dieses Instrument immer wieder ein - logisch.
Die Kinder, für die ich verantwortlich bin, halte ich von Anfang an dazu an, andere Wege, als körperliche Gewalt zu entdecken. Ich lebe sie ihnen vor. Ich stoppe sie in ihrem Tun, erkläre ihnen andere Möglichkeiten und lebe sie immer wieder vor. Es funktioniert - auch schon bei den ganz Kleinen! Selbst, wenn sie noch nicht mehr als ein paar Worte verbal sprechen können! Ich erlebe es!
Wenn Kinder unter 3 Jahren andere Konfliktlösungen für sich entdecken können, sind sie in dem Moment, in dem ich schlage, reifer und weiter entwickelt als ich. Und weil ich an mich selbst den Anspruch habe, älter als 3 Jahre zu sein (Es sei denn ich erfreue mich an den Wundern der Natur!), habe auch ich andere Lösungen zu finden.

So viel zu mir und meinen Taten. Was ist nun mit meinen Nicht-Taten?
Was meine ich mit dieser Wortschöpfung?
Ich schreite wirklich nahezu jedes Mal ein, wenn ich beobachte, wie Kinder anderen Kindern körperliche Gewalt antun. Wann schreite ich ein, wenn Erwachsene Kindern körperliche Gewalt antun? Ich tue es - doch viel zu selten. Dies sind meine Nicht-Taten.

Der "kleine Klaps" gehört zum Alltag

Vor einer Weile saß ich in einer Runde mit anderen Frauen beim Abendessen. Wie das bei so einer Frauenrunde nun mal ist, wird über alles Mögliche gequatscht - natürlich auch über (die eigenen) Kinder und deren Erziehung.
Ich war erschrocken, wie selbstverständlich immer wieder angedeutet oder sogar klar ausgesprochen wurde, dass diese Frauen Kinder geschlagen hatten. Die Taten wurden sogar in witzige Anekdoten verpackt. Wie abgestumpft sind wir - gerade wir Frauen und Mütter?!
Ich war entsetzt. Und was habe ich gesagt? Nichts. Nicht ein Wort. Ganz im Gegenteil, ich habe über die Anekdoten gelacht. Was mir im Kopf herum ging, was ich für mich reflektierte, habe ich nicht ausgesprochen.

Ich habe, weil es hat!

Ich hatte einst mitbekommen, wie ein Kind sein Geschwisterchen, das zwei Köpfe kleiner war, so grob schubste, dass es bäuchlings über den Boden rutschte. Ein Elternteil, dass dies sah, schubste daraufhin das Kind mit dem selben Ergebnis. Ich schreibe dies als Beobachtung, wertfrei, denn ich war einst in einer ähnlichen Situation und handelte ebenso.
Und doch ist dies in meinen Augen und aus heutiger Sicht etwas völlig anderes, als wenn ich ein Kleinkind zwicke oder an den Haaren zupfe, um ihm zu zeigen, dass kneifen, beißen und an den Haaren zu ziehen unangenehm bis schmerzhaft ist. Irgendwo hört meiner Meinung nach die Verhältnismäßigkeit auf.
Ich bin eine erwachsene Frau und kein Kind. Wenn ein Kind sein jüngeres Geschwisterchen derart behandelt, habe ich noch lange kein Recht, das kleine Kind ebenfalls so zu behandeln. Ich habe andere Lösungen zu finden - und dazu gehört auch die Lösung, dem Kind auf eine andere Weise zu vermitteln, was es in seinem Geschwisterchen ausgelöst hat. Vor allem gehört dazu, dem Kind einen anderen Weg vorzuleben.

Ein Krieg hat noch keinen Frieden gebracht und ein Klaps kein freundliches Wort

Ich sah einst, wie ein Kind in seiner Wut einem Elternteil eine Beleidigung an den Kopf warf. Das andere Elternteil hatte dies gehört. Es stellte das Kind zur Rede. Dieses floh in eine Lüge. Und schon saß der Klaps. Ich war dabei und schwieg.
Ob der Klaps nun wegen der Lüge oder wegen des Schimpfwortes folgte, ist vollkommen irrelevant. Es fällt mir schwer, in dem schlagenden Elternteil, das Sekunden zuvor lediglich ein Beobachter gewesen war, die Ohnmacht zu sehen, die ich oft in mir selbst spürte. Meines erachtens war dieser Klaps eine Strafe. Und ich habe geschwiegen.

Wenn ich nicht tue, was ich sage... - und wenn doch?

Die Androhung von Gewalt (selbst wenn nicht die Absicht besteht, sie auszuführen) erachte ich als ebenso dramatisch. Wie oft höre ich den Satz: "Wenn du nicht..., dann gibt es was auf den Po." (Oder ähnlich.) Selbst von Kindern habe ich ihn schon gehört! Und wie oft sage ich etwas dazu?
Eine solche Drohung ist gleich doppelt unsinnig. Setze ich sie, nachdem alle Worte nicht zu dem von mir gewünschten Ergebnis führten, in die Tat um, schlage ich, entwickel mich damit selbst auf den Stand eines Kindes zurück. Von dem, was dies in dem Kind auslöst und mit der Bindung des Kindes zum Erwachsenen anstellt, gar nicht erst zu reden.
Ist diese Ankündigung nur ein leeres Versprechen, lernt das Kind, dass ich nicht umsetze, was ich sage. Wenn ich schon meinem eigenen Wort nicht folge, warum sollte es dann ein Kind tun?

Einst war ich dabei, als ein Elternteil, dass von einem Kind während des Einkaufens genervt war, sagte: "Wenn du jetzt nicht ruhig bist, stecke ich dich in diese Gefriertruhe und gehe nach Hause."
Ich war entsetzt - und ich schwieg. Obwohl diese Erinnerung bereits einige Jahre alt ist, bin ich von ihr noch geschockt. Was löst eine solche Aussage in einem kleinen Kind aus?

Wie viel Kraft und welche Energie steckt wirklich in mir?

Warum kostet es einen Erwachsenen so viel Kraft, nicht die Hand zu erheben? Warum braucht es so unendlich viel mehr Kraft, Mut aufzubringen und aufzustehen, wenn ein Kind geschlagen wird?
Was mich persönlich betrifft, werde ich die Antwort nicht hier ausbreiten. Es reicht, wenn ich die Gründe kenne, denn damit kann ich bei mir selbst etwas bewirken.
Als viel wichtiger sehe ich, dass ein jeder diese Fragen selbst beantwortet, für sich. Wenn der Grund gefunden ist, kommt zunehmend auch die Energie, in der einen Situation die Hand zu senken und in der anderen aufzustehen.

Warum ist mir das wichtig?

Wie kann ich mir wünschen, dass ich niemals am eigenen Leib einen Krieg erleben werde, wenn ich Gewalt in Kindern säe oder zuschaue, wie andere dies tun?
Ich möchte sehen, das Menschen Konflikte lösen, ohne jemanden körperlich zu verletzen. Da ich der festen Überzeugung bin, dass ich nur erlebe, was ich auch vorlebe, liegt es mir, genau dies in die Tat umzusetzen. Ich habe noch nicht den Mut jedes Mal aufzustehen. Aber ich habe den Mut, meine Gedanken nieder zu schreiben und zu teilen.

Namasté

Freitag, 20. Juni 2014

Wie Neale Gott die Religion erklärte

[Neale] [..] Wir sind in die Sünde hineingeboren.

[Gott] Eine ziemlich interessante Idee. Wie konnte dich irgend jemand dazu bringen, das zu glauben?

[Neale] Sie haben uns die Geschichte von Adam und Eva erzählt. Sie haben uns im Religionsunterricht erzählt, dass wir, nunja, vielleicht nicht gesündigt haben, jedenfalls sicher nicht als Babys, dass aber Adam und Eva gesündigt haben und wir ihre Nachkommen sind und somit ihre Schuld wir auch ihr sündiges Wesen geerbt haben.
Schau, Adam und Eva haben von der verbotenen Frucht gegessen - hatten Teil am Wissen von Gut und Böse -, und sie haben damit alle ihre Erben und Nachkommen bei ihrer Geburt zur Trennung von Gott verurteilt. Wir alle werden mit dieser unserer Seele belasteten "Erbsünde" geboren. Wir alle teilen diese Schuld. Also wird uns die freie Wahl gegeben, um festzustellen, wie ich vermute, ob wir dasselbe machen wie Adam und Eva und Gott nicht gehorchen oder ob wir unsere angeborene, ererbte Neigung, "Schlechtes zu tun", überwinden und statt dessen, trotz aller weltlichen Versuchungen, das Richtige tun.

[Gott] Und wenn ihr "Schlechtes" tut?

[Neale] Dann schickst du uns in die Hölle.

[Gott] Tatsächlich.

[Neale] Ja, es sei denn, wie bereuen und tun Buße.

[Gott] Ich verstehe.

[Neale] Wenn wir sagen, dass es und leid tut, rettest du uns vor der Hölle, aber nicht vor allem Leiden. Wir müssen immer noch eine Weile ins Fegefeuer, um uns von allen unseren Sünden zu reinigen.

[Gott] Wie lange müsst ihr im "Fegefeuer" verweilen?

[Neale] Je nachdem. Unsere Sünden müssen weg gebrannt werden. Das ist nicht sehr vergnüglich, das kann ich dir sagen. Und je mehr Sünden wir haben, um so länger dauert ihr Ausbrennen und um so länger müssen wir bleiben. So wurde es mir erzählt.

[Gott] Ich verstehe.

[Neale] Aber wenigstens kommen wir nicht in die Hölle, denn die ist für alle Ewigkeit. Wenn wir aber mit einer Todsünde sterben, kommen wir schnurstracks in die Hölle.

[Gott] Todsünde?

[Neale] Im Gegensatz zu einer lässlichen Sünde. Wenn unsere Seele mit einer lässlichen Sünde behaftet ist, kommen wir nur ins Fegefeuer. Todsünden bringen uns geradewegs in die Hölle.

[Gott] Kannst du mir Beispiele für die verschiedenen Sündenkategorien nennen, über die du unterrichtet wurdest?

[Neale] Klar. Todsünden sind gravierend. Religiöse Schwerverbrechen. Dinge wie Mord, Vergewaltigung, Diebstahl. Lässliche Sünden sind nicht so gravierend. Religiöse Vergehen. Eine lässliche Sünde wäre zum Beispiel, wenn man es versäumt, am Sonntag in die Kirche zu gehen, oder früher, wenn man am Freitag Fleisch gegessen hat.

[Gott] Warte mal einen Moment! Dieser Gott da von euch hat euch ins Fegefeuer geschickt, wenn ihr freitags Fleisch gegessen habt?

[Neale] Ja, aber das macht er jetzt nicht mehr. Nicht mehr seit Anfang der 60er Jahre. Aber wehe, wenn du vor Anfang der 60er Jahre am Freitag Fleisch gegessen hast.

[Gott] Tatsächlich?

[Neale] Absolut.

[Gott] Und was passierte Anfang der 60er Jahre, so dass diese "Sünde" nun keine Sünde mehr ist?

[Neale] Der Papst sagte, dass es keine Sünde mehr sei.

[Gott] Aha. Und dieser Gott von euch - er zwingt euch, ihn anzubeten, an Sonntagen in die Kirche zu gehen? Sonst werdet ihr bestraft?

[Neale] Das Versäumen der Messe ist eine Sünde, ja. Und wenn sie nicht gebeichtet wird - wenn man mit dieser Sünde stirbt -, muss man ins Fegefeuer.

[Gott] Aber - wie ist das mit einem Kind? Wie steht es mit einem unschuldigen kleinen Kind, das gar nicht all die "Regeln" kennt, nach denen Gott liebt?

[Neale] Wenn ein Kind stirbt, bevor es getauft worden ist, kommt es in die Vorhölle.

[Gott] Wohin?

[Neale] Vorhölle. Das ist kein Ort der Bestrafung, aber es ist auch kein Himmel. Es ist ... nun ... die Vorhölle. Du kannst nicht bei Gott sein, aber du brauchst wenigstens nicht "zum Teufel zu gehen".

[Gott] Aber warum kann dieses schöne unschuldige Kind nicht bei Gott sein? Das Kind hat nichts Unrechtes getan ...

[Neale] Das stimmt, aber das Kind wurde nicht getauft. Ganz gleich, wie untadelig oder unschuldig Babys - oder irgendwelche anderen Personen - sind, sie müssen getauft werden, um in den Himmel zu kommen. Sonst kann sie Gott nicht akzeptieren.
Deshalb ist es so wichtig, dass die Kinder schnell getauft werden, bald nach ihrer Geburt.

[Gott] Wer hat dir all das erzählt?

[Neale] Gott. Durch seine Kirche.

[Gott] Welche Kirche?

[Neale] Die heilige römisch-katholische Kirche natürlich. Das ist Gottes Kirche. Tatsächlich ist es auch eine Sünde, wenn man Katholik ist und zufällig den Gottesdienst einer anderen Kirche besucht.

[Gott] Ich dachte, es sei eine Sünde, nicht zur Kirche zu gehen.

[Neale] Das ist es. Aber ist auch eine Sünde, in die falsche Kirche zu gehen.

[Gott] Was ist eine "falsche" Kirche?

[Neale] Jede Kirche, die nicht römisch-katholisch ist. Man darf nicht in der falschen Kirche getauft werden, man darf nicht in der falschen Kirche heiraten - man darf noch nicht einmal eine falsche Kirche besuchen. Ich weiß, dass das eine Tatsache ist, weil ich einmal mit meinen Eltern zur Hochzeit eines Freundes gehen wollte, aber die Nonnen sagten mir, ich solle diese Einladung nicht annehmen, weil es eine Hochzeit in einer falschen Kirche war.

[Gott] Hast du ihnen gehorcht?

[Neale] Den Nonnen? Nein. Ich dachte mir, Gott - du - würdest in der anderen Kirche ebenso willig auftauchen wie in der meinen, also ging ich hin. Ich stand in meinem Smoking vor dem Altar und fühlte mich sehr wohl.

[Gott] Gut. Dann lass uns mal sehen: Da haben wir den Himmel, wir haben die Hölle, das Fegefeuer, die Vorhölle, wir haben die Todsünde, die lässliche Sünde - sonst noch was?

[Neale] Ja, es gibt noch die Konfirmation und die Kommunion und die Beichte - da gibt es den Exorzismus und die Letzte Ölung. Dann sind da -

[Gott] Hör auf -

[Neale] - sind da die Schutzheiligen und heiligen strengen Fastentage -

[Gott] Jeder Tag ist geheiligt. Jede Minute ist heilig. Dies, jetzt, ist ein heiliger Moment.

[Neale] Ja gut, aber manche Tage sind wirklich heilig - die heiligen Fasttage -, und an diesen Tagen müssen wir auch in die Kirche gehen.

[Gott] Hier haben wir wieder das "muss". Und was passiert, wenn ihr es nicht tut?

[Neale] Es ist eine Sünde.

[Gott] Also kommt ihr in die Hölle.

[Neale] Ja, man kommt ins Fegefeuer, wenn man mit dieser Sünde stirbt. Deshalb ist es gut, zur Beichte zu gehen. Wirklich, man sollte gehen, sooft man kann. Manche Leute gehen jede Woche. Manche Leuten jeden Tag. Auf diese Weise können sie reinen Tisch machen - können ihn rein halten für den Fall, dass sie sterben sollten ...

[Gott] Wow - ein Leben in ständiger Angst.

[Neale] Ja, schau, das ist der Zweck der Religion - Gottesfurcht einzupflanzen. Dann tun wir das Rechte und widerstehen der Versuchung.

[Gott] Aha. Aber was ist, wenn du zwischen den Beichten eine "Sünde" begehst und dann einen Unfall hast oder so etwas und stirbst?

[Neale] Das ist okay. Keine Panik. Zeig nur vollkommene Reue. "Oh, mein Gott, es tut mir aufrichtig leid, mich gegen dich versündigt zu haben ..."

[Gott] Okay, okay - genug.

[Neale] Aber warte. Das ist nur eine der Weltreligionen. Willst du dir nicht noch ein paar andere anschauen?

[Gott] Nein, ich bin im Bilde.

[Neale] Ich hoffe, dass die Leute nicht meinen, ich würde mich nur über ihren Glauben lustig machen.

[Gott] Du machst dich über niemanden lustig, du sagst nur, wie es ist. [...]

(Gespräche mit Gott - Band 2 - Gesellschaft und Bewusstseinswandel; S. 78-84)

Samstag, 4. Januar 2014

Sei achtsam mit mir

Gestern hatte ich eines dieser wunderbaren Erlebnisse mit Lutz (3 Jahre, 11 Monate). Mir erscheint er zur Zeit sehr rabiat und aggressiv - zum einen im Tonfall seinen Mitmenschen gegenüber (gleich ob erwachsende Familienmitglieder oder der kleine Bruder), zum anderen handgreiflich. Insbesondere gegenüber dem kleinen Bruder beobachte ich häufig, wie er haut, schubst und an dem Jüngeren herum zerrt. Mich frustriert es insbesondere, da ich weiß, dass Lutz auch anders handeln kann. In der Tagespflege geht er auch mit jüngeren Kindern freundlicher und lösunsorientiert um. Mir ist auch die Ursache bewusst, aus der Lutz handgreiflich oder verbal aggressiv wird. Er fühlt sich hilflos und hat Angst (z.B. um sein Spielzeug, das der kleine Bruder kaputt machen könnte).

Mit der Absicht, gemeinsam mit ihm einen anderen Lösungsweg zu finden, begann ich das Gespräch mit Lutz und dieser kleine Dialog entstand:
"Was können wir tun, damit du freundlicher zu deinem Bruder bist? Was kann ich tun, wenn du ihn haust oder ihn schubst oder wenn du es tun willst?" - "Achtsam sein." - "Mhmm, und wer kann achtsam sein? Du oder ich?" -  "Du." - "Ich kann achtsamer mit dir sein?" - "Ja, du kannst achtsamer sein." - "Und wenn du deinen Bruder hauen willst, wie hilft es dann, dass ich achtsamer bin?"
Diese Frage konnte Lutz mir nicht beantworten und ich denke, dass ist von einem fast vierjährigen Kind auch viel zu viel erwartet. Die Antwort hatte ich selbst zu finden.

Achtsamer sein.

Bedeutet das, eher einzugreifen? Den Jüngeren rechtzeitig vom Spielzeug des Älteren fern zu halten? Heißt das, bei jedem drohenden Konflikt umgehend da zu sein und mindestens zu beobachten, aufmerksam zu sein?
Ich denke nicht, denn mal abgesehen davon, dass die beiden zu lernen haben, mit Konflikten umzugehen, ist so etwas im Alltag auch absolut unpraktikabel. Die Lösung kam mir ein paar Stunden später im Gespräch zwischen uns Erwachsene.
"Du kannst achtsamer sein", hatte Lutz gesagt - und das nicht auf eine bestimmte Situation bezogen. Trotz meines Bezugs zu einer direkten Konfliktsituation, hatte Lutz dies so nicht verbalisiert. Meine Lösung zu seinen Worten ist ebenso einfach wie herausfordernd: Ich kann generell achtsamer sein. Ich kann das Problem an seiner Wurzel angehen.

Mir ist doch längst bewusst, dass Lutz handgreiflich und laut wird, wenn er sich hilflos und ängstlich fühlt. Und im Grunde kenne ich auch die Bedürfnisse, die dahinter stecken, auch wenn sie je nach Situation ein wenig variieren mögen. Gewöhnlich sind es die Bedürfnisse nach Schutz, Geborgenheit, Gesellschaft, Aufmerksamkeit und Selbstständigkeit.
Wie oft, wenn Lutz laut und wild ist und ich meine Ruhe haben möchte, schicke ich ihn in ein anderes Zimmer, wo er für sich lärmen kann, so viel er will? Aber es geht im gar nicht darum, zu lärmen. Es geht ihn um Gesellschaft und Aufmerksamkeit. Und wenn es am Ende gar Tränen gibt, unter denen Lutz doch ins andere Zimmer geht, habe ich zwar mein Bedürfnis nach Ruhe gestillt, doch was tat ich ihm an? Schürte ich in ihm nicht eher die Angst des verlassen Werdens und des Verlustes? Spürt er diese Angst des Verlustes nicht ebenso, wenn es um sein Spielzeug geht? Und wenn ich nun daran denke, was ich von Gerald Hüther lernte, nämlich, dass diese Form der Angst im Hirn die gleichen Regionen aktiviert, die bei aktiviert werden, wenn man körperliche Gewalt erfährt, ist es dann nicht vollkommen logisch, dass Lutz aggressiv wird?

Wenn ich also möchte, dass Lutz freundlicher mit anderen Menschen und insbesondere mit seinem kleinen Bruder umgeht, dann habe ich daran zu schaffen, dass er diese Gefühle der Verlustangst und des Mangels erst gar nicht derart entwickelt. Es ist an mir, achtsamer zu sein, seine Bedürfnisse zu erkennen und sie zu befriedigen. Und das nicht erst, in der Konfliktsituation, sondern lange, lange vorher und immer wieder aufs Neue.

Mittwoch, 3. April 2013

Gott über Angst und Liebe

ISBN 978-3-442-21786-1
Alle menschlichen Handlungen gründen sich auf tiefster Ebene auf zwei Emotionen: auf Angst oder auf Liebe. In Wahrheit gibt es nur zwei Emotionen - nur zwei Worte in der Sprache der Seele. Dies sind die beiden gegensätzlichen Pole der großen Polarität, die ich zusammen mit dem Universum und der Welt, wir ihr sie heute kennt, erschuf.
[...] Ohne diese beiden Punkte, ohne diese beiden Begriffe von den Dingen könnte keine andere geistige Vorstellung existieren.
Jeder menschliche Gedanke und jede menschliche Handlung gründet sich entweder auf Liebe oder auf Angst. Es gibt keine andere menschliche Motivation, und alle andere geistigen Vorstellungen leiten sich aus diesen beiden ab. Sie sind einfach verschiedene Versionen, verschiedene Abwandlungen desselben Themas.
[...] Liebe stiftet Angst stiftet Liebe stiftet Angst...
... Und der Grund dafür findet sich der ersten Lüge - jener Lüge, die ihr als die Wahrheit über Gott erachtet -, daß man in Gott kein Vertrauen setzen kann; daß auf Gottes Liebe kein Verlaß ist; daß Gott euch nur unter bestimmten Bedingungen akzeptiert; daß somit letztlich das Endresultat zweifelhaft ist. Denn wenn ihr euch nicht darauf verlassen könnt, daß Gottes Liebe immer da ist, dann fragt sich, auf wessen Liebe ihr auch denn verlassen könnt. Werden sich denn nicht, wenn Gott sich zurückzieht, sobald ihr nicht rechtschaffen lebt, auch bloße Sterbliche von euch abwenden? [...]
Doch wenn ihr wüßtet, wer-ihr-seid - daß ihr die herrlichsten, bemerkenswertesten und glanzvollsten Kreaturen seid, die von Gott je erschaffen wurden -, würdet ihr euch niemals ängstigen. Denn wer könnte etwas so Wunderbares und Großartiges ablehnen? Nicht einmal Gott könnte an einem solchen Wesen etwas auszusetzen haben.
aus: "Gespräche mit Gott - Ein ungewöhnlicher Dialog - Band 1" Seite 37ff

(21.07.2013)
Nachdem ihr ein ganzes Gedankengebäude um Gott errichtet habt, das sich auf die menschliche Erfahrung statt auf spirituelle Wahrheit gründet, erschafft ihr nun ein ganzes Realitätssystem um die Liebe herum. Es ist eine auf Angst gegründete Realität, die in der Vorstellung von einem furchteinflößenden, rachsüchtigen Gott wurzelt. Der hinter dieser Vorstellung existierende stiftende Gedanke ist falsch, aber dessen Negierung würde den Zusammenbruch eurer ganzen Theologie zur Folge haben. Und obwohl die sie ersetzende Theologie wahrlich eure Rettung wäre, seid ihr unfähig, sie zu akzeptieren, weil die Vorstellung von einem Gott, der nicht gefürchtet werden muß, der nicht richtet und der keinen Grund zur Bestrafung hart, ganz einfach zu großartig ist, als daß ihr sie selbst in eure grandiosesten Ideen über das, was und wer Gott ist, integrieren könntet.
Diese auf Angst gegründete Realität der Liebe beherrscht eure Erfahrung von Liebe; tatsächlich wird sie von ihr erschaffen. Denn nicht nur seht ihr euch an Bedingungen geknüpfte Liebe empfangen, ihr seht euch auch sie auf diese gleiche Weise geben. [...]
Alle Handlungen menschlicher Wesen gründen sich auf Liebe oder Angst, nicht nur jene, die mit Beziehungen zu tun haben. Entscheidungen, die das Geschäft betreffen, das Wirtschaftsleben, die Politik, die Religion, die Erziehung der jungen Leute, die sozialen Angelegenheiten eurer Nationen, die ökonomischen Ziele eurer Gesellschaft, Beschlüsse hinsichtlich Krieg, Frieden, Angriff, Verteidigung, Aggression, Unterwerfung; Entschlüsse, haben zu wollen oder wegzugeben, zu behalten oder zu teilen, zu vereinen oder zu trennen - jede einzelne freie Wahl, die ihr jemals trefft, entsteht aus einem der beiden möglichen Gedanken: aus einem Gedanken der Liebe oder einem der Gedanken der Angst.
Angst ist die Energie, die zusammenzieht, versperrt, einschränkt, wegrennt, sich versteckt, hortet, Schaden zufügt. Liebe ist die Energie, die sich ausdehnt, sich öffnet, aussendet, bleibt, enthüllt, teilt, heilt.
Angst umhüllt unseren Körper mit Kleidern, Liebe gestattet uns, nackt dazustehen. Angst krallt und klammert sich an alles, was wir haben, Liebe gibt alles fort, was wir haben. Angst hält eng an sich, Liebe hält wert und lieb. Angst reißt an sich, Liebe läßt los. Angst nagt und wurmt, Liebe besänftigt. Angst attackiert, Liebe bessert.
Jeder Gedanke, jedes Wort oder jede Tat eines Menschen gründet sich auf eine dieser beiden Emotionen. Darin habt ihr keine Wahl, denn es steht euch nichts anderes zur Wahl. Aber ihr habt freie Wahl, welche der beiden ihr euch aussuchen wollt.
aus: "Gespräche mit Gott - Ein ungewöhnlicher Dialog - Band 1" Seite 41ff