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Sonntag, 19. Juli 2015

Mit jedem NICHT wehrst du dich gegen dein Wohlbefinden


Sara hatte noch nicht einmal den halben Tag hinter sich und schon zwei Seiten voller Neins, über die sie mit Salomon reden wollte.
Saras Nachmittag stellte sich als ebenso furchtbar heraus wie der Morgen. Sie konnte ihrer Liste noch das Folgende hinzufügen:

WIRF NICHT DAMIT HERUM!
HÖR DAMIT AUF!
ICH SAGTE NEIN!
HAST DU NICHT GEHÖRT?
HABE ICH MICH NICHT DEUTLICH GENUG AUSGEDRÜCKT?
HÖR AUF ZU DRÄNGELN!
ICH WILL ES NICHT NOCH EINMAL SAGEN MÜSSEN!

Am Ende des Tages war Sara völlig erschöpft. Es kam ihr so vor, als wehrte sich die ganze Welt gegen ihr Wohlbefinden.
„Junge, Junge, Salomon, du hast Recht! Fast alle sagen nein statt ja. Selbst ich, Salomon. Ich weiß doch, was ich tun soll, und doch kann ich es nicht.“
NICHT EINMAL ICH KANN ES, schrieb Sara auf ihre Liste.
Was für ein Tag.
Das ist ja eine ganz ansehnliche Liste, Sara. Du scheinst einen erfüllten Tag gehabt zu haben.
„Ach Salomon, du hast ja keine Ahnung. Das sind nur ein paar von den Dingen, die ich heute gehört habe. Die Leute sagen fast immer nein, Salomon. Und sie merken es nicht einmal! Und ich auch nicht, Salomon. Das ist wirklich schwierig.“
Sara, wenn du erst einmal weißt, worauf du zu achten hast, und wenn du erkennst, was dein Ziel ist, ist es nicht mehr so schwierig. Sara, lies mir etwas von deiner Liste vor. Dann zeige ich dir, was ich meine.
„KOMM NICHT ZU SPÄT.“
Sei pünktlich.
„WIR WOLLEN DOCH NICHT, DASS UNSER BESUCH EIN UNORDENTLICHES HAUS VORFINDET.“
Wir möchten, dass sich unsere Gäste in unserem Haus wohl fühlen.
„LASS NICHT DIE KALTE LUFT HEREIN.“
Wir wollen ein schönes, warmes Heim haben.
„KOMM NICHT ZU SPÄT ZUR SCHULE.“
Wenn du pünktlich bist, fühlst du dich gut.
„DU WILLST DOCH NICHT HINFALLEN.“
Konzentriere dich auf deinen Körper.
„DAS WIRD NICHT LEICHT SEIN.“
Es wird mir gelingen.
„AUF DEM FLUR WIRD NICHT GERANNT.“
Nimm Rücksicht auf andere.
„ES IST NICHT GESTATTET, WÄHREND DES UNTERRICHTS ZU REDEN.“
Lasst uns gemeinsam lernen.
„ES IST NICHT GESTATTET, WÄHREND DES UNTERRICHTS AUS DEM FENSTER ZU SCHAUEN.“
Es ist zu deinem eigenen Nutzen, aufmerksam zu sein.
„ES IST NICHT GESTATTET, HAUSAUFGABEN VERSPÄTET ABZUGEBEN.“
Lasst uns miteinander Schritt halten und gemeinsam arbeiten.
„ES IST NICHT GESTATTET, HAUSTIERE MITZUBRINGEN.“
Eure Tiere fühlen sich zu Hause viel wohler.
„Sagenhaft, Salomon, du hast den Bogen wirklich raus!“
Sara, auch du wirst es bald können. Man muss es nur üben. Welche Worte du benutzt, ist nicht so wichtig. Was dir schadet, ist das Gefühl, dass du dich gegen etwas zur Wehr setzt. Als deine Mutter sagte: „Lass die Tür nicht offen“, wehrte sie sich mit Sicherheit gegen etwas, das sie nicht wollte. Aber selbst wenn sie gesagt hätte: „Mach die Tür zu“, hätte sie immer noch mehr an das gedacht, was sie nicht wollte. Daher wäre ihre Absicht eine Abwehr gewesen.Verstehst du, dass du in das hinein spüren solltest, statt dich gegen etwas zu wehren, was du nicht möchtest?Sicher weisen deine Worte darauf hin, in welche Richtung du gehst, aber deine Gefühle sind ein besserer Hinweis darauf, ob du etwas zulässt oder dich gegen etwas wehrst.Ich wünsche dir viel Spaß dabei, Sara. Wenn du dich dagegen wehrst, nein zu sagen, wehst du dich immer noch. Es geht darum, mehr davon zu reden, was du möchtest. Und wenn du das tust, dann wird dein Leben immer besser. Du wirst schon sehen.
S. 165-168

Samstag, 18. Juli 2015

Ein Glied in der Kette der Freude

ISBN-13: 978-3-7787-7173-0
„Salomon, warum sind die Leute so gemein?“
Sind denn wirklich alle Menschen gemein, Sara? Das war mir noch gar nicht aufgefallen.
„Na ja, vielleicht nicht alle, aber die meisten schon. Ich verstehe nur nicht, warum. Wenn ich gemein bin, fühle ich mich schrecklich.“
Wann bist du gemein, Sara?
„Meistens, wenn jemand anders zuerst gemein war. Ich glaube, ich werde dann gemein, um es ihm heimzuzahlen.“
Hilft das?
„Ja“, antwortete Sara kleinlaut.
Und wie, Sara? Fühlst du dich besser, wenn du es ihnen heimzahlst? Ändert das etwas oder kannst du dadurch ihre Gemeinheit ungeschehen machen?
„Wahrscheinlich nicht.“
Nach meiner Erfahrung setzt das nur noch mehr Gemeinheit in die Welt. Es ist so, als würdest du ein Glied in der Kette des Schmerzes werden. Erst leiden sie, dann leidest du und dann trägst du dazu bei, dass jemand anders leidet und so weiter.
„Aber wer hat denn mit dieser schrecklichen Kette des Schmerzes angefangen?“
Es spielt eigentlich keine Rolle, wie das alles angefangen hat. Wichtig ist, was du damit machst, wenn sie dich erreicht. Worum geht es hier, Sara? Warum bist du ein Teil der Kette des Schmerzes geworden?
Sara, der speiübel war, erzählte Salomon von Donald, dem Neuen, und von seinem ersten Schultag. Sie sprach von den Angebern, die immer etwas zu finden schienen, mit dem sie Donald aufziehen konnten. Sie erzählte auch von dem Vorfall, der sich gerade erst im Flur abgespielt hatte. Und als sie beim Berichten diese Vorfälle noch einmal durchlebte, spürte sie, wie in ihr wieder die Wut hochkam. Als sich eine Träne aus ihrem Auge stahl und ihr die Wange hinunterlief, wischte sie sie wütend mit dem Ärmel weg. Sara war verstört darüber, dass sie schniefte und schluchzte, statt sich wie sonst angeregt mit Salomon zu unterhalten. So sollte es bei Salomon überhaupt nicht sein.
Die Eule war lange Zeit still, während chaotische Gedanken durch Saras Kopf schossen. Sie spürte, dass Salomon sie aus seinen großen liebevollen Augen beobachtete, aber es war ihr überhaupt nicht peinlich. Fast schien es, als ob Salomon etwas aus ihr herauslocken wollte.
Also, klar ist, was ich nicht will, dachte Sara. Ich möchte mich nicht so fühlen. Besonders dann nicht, wenn ich mit Salomon rede.
Sehr gut, Sara. Du hast gerade ganz bewusst den ersten Schritt gemacht, um die Kette des Schmerzes zu durchbrechen. Du hast ganz bewusst erkannt, was du nicht willst.
„Und das ist gut?“; staunte Sara. „Ich fühle mich aber gar nicht gut!“
Das liegt daran, dass du nur den ersten Schritt gemacht hast, Sara. Es gibt noch drei weitere.
„Was ist der nächste Schritt, Salomon?“
Also, Sara, es ist nicht schwer herauszufinden, was du nicht willst. Stimmst du mir zu?
„Ja, wahrscheinlich schon. Also, meistens weiß ich das schon.“
Woher weißt du, dass du an etwas denkst, das du nicht willst?
„Ich weiß es einfach irgendwie.“
Du weißt es, weil du dann etwas Bestimmtes fühlst, Sara. Wenn du über etwas sprichst oder an etwas denkst, das du nicht willst, nimmst du immer ein negatives Gefühl wahr - Wut, Enttäuschung, Verlegenheit, Schuld oder Angst. Dir geht es nicht gut, wenn du an etwas denkst, das du nicht willst.
Sara dachte an die vergangenen Tage, in denen sie mehr negative Gefühle gehabt hatte als sonst. „Du hast Recht, Salomon“, sagte sie. „Ich habe das in der letzten Woche oft gespürt, wenn ich gesehen habe, wie die fiesen Typen auf Donald herumhacken. Seit ich dir begegnet bin, bin ich so glücklich gewesen. Und dann wurde ich so wütend, weil sie Donald fertig machten. Ich kann jetzt sehen, dass meine Gefühle etwas damit zu tun haben.“
Gut, Sara. Dann wollen wir jetzt über den zweiten Schritt reden. Wenn du weißt, was du nicht willst, sollte es dann nicht einfach sein, herauszufinden, was du willst?„Also...“, begann Sara, die verstehen wollte, aber nicht sicher war, worauf das hinauslief.
Wenn du krank bist, was möchtest du dann?
„Ich möchte gesund werden“, antwortete Sara spontan.
Wenn du nicht genug Geld hast, um dir etwas zu kaufen, das du haben möchtest, was wünscht du dir dann?
„Mehr Geld“, kam die Antwort.
Siehst du, Sara, das ist der zweite Schritt, um die Kette des Schmerzes zu zerbrechen. Schritt eins ist die Erkenntnis dessen, was du nicht willst. Schritt zwei besteht darin, dich zu entscheiden, was du willst.“
„Also, das ist ja einfach.“ Sara ging es allmählich besser.
Der dritte Schritt ist der wichtigste, Sara. Diesen kennen die meisten Menschen nicht. Schritt drei lautet: Sobald du erkannt hast, was du möchtest, musst du es wirklich fühlen. Du musst darüber sprechen, warum du es willst; beschreiben, wie es wäre, es zu haben; es erklären; so zu tun, als ob du es hättest oder dich an etwas Ähnliches erinnern. Auf jeden Fall musst du so lange daran denken, bist du es fühlst. Beschäftige dich so lange mit dem, was du möchtest, bis du ein Gefühl des Wohlbehagens verspürst.Sara traute ihren Ohren nicht. Salomon ermutigte sie doch tatsächlich, ihre Zeit damit zu verbringen, sich Dinge vorzustellen. Deshalb hatte sie ja schon mehr als einmal Ärger gehabt. Es schien, als ob Salomon ihr das genaue Gegenteil von dem erzählte, was ihr die Lehrer in der Schule beizubringen versuchten. Aber sie hatte gelernt, Salomon zu vertrauen. Und sie war auf jeden Fall bereit, etwas Neues auszuprobieren. Was ihr die Lehrer erzählt hatten, funktionierte ja offensichtlich nicht.
„Warum ist der dritte Schritt der wichtigste, Salomon?“
Weil du erst dann wirklich etwas veränderst, wenn du deine Gefühle verändert hast. Sonst bleibst du ein Glied in der Kette des Schmerzes. Aber wenn du deine Gefühle veränderst, bist du ein Glied in der anderen Kette - man könnte sagen, in Salomons Kette.„Wie heißt denn deine Kette, Salomon?“
Eigentlich habe ich ihr keinen Namen gegeben. Man muss sie fühlen. Aber man könnte sie Kette der Freude nennen oder Kette des Wohlbefindens. Die Glückskette. Es ist eine ganz natürliche Kette, Sara. Das ist es, was wir wirklich sind.„Aber wenn sie so natürlich ist, wenn sie das ist, was wir alle sind, warum fühlen sich dann nicht mehr Menschen öfter gut?“
Die Menschen, wollen, dass es ihnen gut geht, und die meisten Menschen wollen auch sehr gern gut sein. Und das ist gerade Teil des Problems.„Was soll das heißen? Wie kann es ein Problem sein, wenn man gut sein möchte?“
Also, Sara, die Leuten möchten gut sein. Daher schauen sie sich an, wie andere Leute leben, um herauszufinden, was gut ist. Sie schauen sich die Verhältnisse an, in denen sie leben, und dann sehen sie Dinge, die sie für gut halten, und Dinge, die sie für schlecht halten.„Und das soll schlecht sein? Was soll denn daran schlecht sein, Salomon?“
Mir ist aufgefallen, dass die meisten Menschen nicht darauf achten, wie sie sich fühlen, wenn sie sich die Verhältnisse - gut oder schlecht - anschauen. Und da läuft die Sache aus dem Ruder. Statt sich bewusst zu sein, dass sich das, was sie sich anschauen, auf sie auswirkt, achten sie auf ihrer Suche nach dem Guten immer auf das Schlechte und versuchen, es wegzudrängen. Das Problem dabei ist einfach, dass sie Glieder in der Kette des Schmerzes geworden sind, wenn sie immer das ablehnen, was sie für schlecht halten. Die Menschen sind mehr daran interessiert, sich die Verhältnisse anzuschauen, die zu analysieren und zu vergleichen, als darauf zu achten, wie sie sich dabei fühlen. Und häufig ziehen sie die Verhältnisse wieder in die Kette des Schmerzes hinein.Sara, denk einmal an die letzten Tage. Versuch dich an deine stärksten Gefühle zu erinnern. Was war geschehen, als es dir in der letzten Woche so schlecht ging, Sara?„Ich fühlte mich furchtbar, als Tommy und Lynn sich über Donald lustig machten. Mir ging es schrecklich, als die Kinder Donald ausgelacht haben. Aber am schlimmsten fühlte ich mich, als Donald mich anschrie. Dabei habe ich doch nur versucht, ihm zu helfen, Salomon.“
Gut, Sara. Lass und darüber reden. Was hast du getan, als du dich so mies gefühlt hast?„Ich weiß nicht, Salomon. Eigentlich habe ich gar nichts getan. Ich hab‘ wohl die meiste Zeit zugeschaut.“
Das ist genau richtig, Sara. Du hast die Situation beobachtet. Aber die Situationen, die du beobachtest, sind genau diejenigen, die dich dazu bringen, ein Glied in der Kette des Schmerzes zu werden.„Aber Salomon“, erwiderte Sara, „wie soll man denn das, was falsch ist, nicht sehen? Und wie soll man sich denn nicht schlecht fühlen, wenn man es sieht?“
Eine sehr gute Frage, Sara. Ich verspreche dir, dass ich sie dir ausführlich beantworten werde, wenn die Zeit gekommen ist. Ich weiß, dass es nicht einfach ist, dies alles auf einmal zu verstehen. Der Grund, warum es zuerst schwierig ist, es zu verstehen, ist einfach der, dass man dir beigebracht hat, etwas außerhalb deiner selbst zu beobachten - dass man dir aber nicht beigebracht hat, zu beobachten, wie du dich dabei fühlst. Folglich bestimmen äußere Situationen und Verhältnisse dein Leben. Wenn du etwas Gutes siehst, reagierst du darauf mit einem guten Gefühl, und wenn du etwas Schlechtes siehst, reagierst du darauf mit einem schlechten Gefühl. Weil Dinge außerhalb von euch selbst euer Leben bestimmen, sind viele von euch so frustriert. Deshalb werden auch weiterhin so viele Menschen Glieder in der Kette des Schmerzes werden.„Wie kann ich denn aus der Kette ausbrechen, damit ich auch anderen helfen kann auszusteigen?“
Nun, Sara, dafür gibt es viele Möglichkeiten. Aber die, die mir am besten gefällt, weil sie am schnellsten funktioniert, ist die: Denke Gedanken der Anerkennung und Dankbarkeit.„Anerkennung und Dankbarkeit?“
Ja, Sara. Konzentriere dich auf irgendetwas oder irgendjemanden und finde die Gedanken, durch die es dir am allerbesten geht. Erkenne andere Menschen oder Situationen so gut wie möglich an, würdige sie, lerne sie schätzen, sei ihnen dankbar, erkenne das Gute in ihnen. Das ist die beste Möglichkeit, ein Glied in der Kette der Freude zu werden.Weißt du noch, was der erste Schritt ist?„Zu erkennen, was ich nicht will“, antwortete Sara wie aus der Pistole geschossen. Das hatte sie begriffen.
Und der zweite Schritt?„Zu erkennen, was ich will.“
Sehr gut, Sara. Und der dritte Schritt?„Ach Salomon, das hab‘ ich vergessen“, jammerte Sara, die wegen ihres schlechten Gedächtnisses von sich selbst enttäuscht war.
Der dritte Schritt besteht darin, das Gefühl zu finden, das zu dem passt, was du willst. So lange darüber zu reden, bis du fühlst, dass du es bereits hast.„Salomon, du hast mir noch nicht gesagt, was der vierte Schritt ist“, fiel Sara plötzlich ein.
Ah ja, der vierte Schritt ist der beste, Sara. Jetzt bekommst du nämlich, was du möchtest. Schritt vier ist die so genannte psychische Manifestation deines Wunsches.Viel Spaß dabei, Sara, und streng dich nicht zu sehr dabei an. Übe einfach Anerkennung und Dankbarkeit. Das ist der Schlüssel. S. 61-69

Donnerstag, 16. Juli 2015

Erzähl mir von dem, was du möchtest

ISBN-13: 978-3-7787-7173-0
„Ich wünschte, ich könnte fliegen - so wie du, Salomon.“Warum Sara? Warum würdest du gern fliegen?„Ach, Salomon, es ist so langweilig, immer nur auf der Erde herumzugehen. Es ist so langsam. Man braucht ewig, um irgendwo hinzukommen, und man kann auch nicht viel sehen. Nur die Dinge, die sich hier unten auf der Erde befinden. Wie langweilig!“Sara, es kommt mir vor, als hättest du meine Frage nicht beantwortet.„Hab‘ ich aber, Salomon. Ich sagte, ich würde gern fliegen, weil...“Weil du nicht auf der langweiligen Erde herumlaufen wolltest. Aber du hast mir nicht gesagt, warum du fliegen möchtest. Du hast nur gesagt, warum du nicht nicht fliegen möchtest.„Das ist etwas anderes?“Aber ja, Sara. Etwas völlig anderes. Versuch es noch einmal.Sara war zwar überrascht, dass Salomon so plötzlich beschlossen hatte, so kleinlich zu sein, aber sie setzte noch einmal an. „Also gut. Ich möchte fliegen, weil Gehen nicht besonders viel Spaß macht und weil man hier auf der Erde nur langsam vorankommt.“Sara, merkst du, dass du immer noch darüber redest, was du nicht möchtest und warum du es nicht möchtest? Versuch es noch einmal.„Okay. Ich möchte fliegen, weil... Ich verstehe es nicht, Salomon. Was soll ich denn sagen?“Ich möchte, dass du mir sagst, was du möchtest, Sara.„Ich möchte fliegen!“, schrie Sara, die von Salomons Begriffstutzigkeit mittlerweile ziemlich genervt war.Sag mir jetzt, warum du fliegen möchtest, Sara. Wie wäre es wohl? Wie würde es sich anfühlen? Mach es wirklich für mich. Erklär mir mal, wie es sich anfühlen würde zu fliegen. Ich möchte nicht von dir hören, wie es auf der Erde ist oder wie es ist, nicht zu fliegen. Ich möchte, dass du mir erzählst, wie es ist zu fliegen.Sara schloss die Augen, weil sie allmählich anfing zu begreifen, worauf Salomon hinauswollte. Dann versuchte sie es noch einmal. „Fliegen fühlt sich frei an, Salomon. So wie schweben, nur schneller.“Was würdest du sehen, wenn du fliegen könntest?„Ich würde unter mir die ganze Stadt sehen. Ich könnte die Hauptstraße sehen und die Autos und die Fußgänger. Ich könnte den Fluss sehen und meine Schule.“Wie fühlt es sich an zu fliegen, Sara? Beschreib das Gefühl des Fliegens.Sara hielt mit geschlossenen Augen inne und stellte sich vor, dass sie hoch über der Schule flog. „Es würde solchen Spaß machen, Salomon. Fliegen muss doch einfach Spaß machen. Ich könnte so schnell wie der Wind dahingleiten. Ich würde mich so frei fühlen. Es fühlt sich gut an, Salomon!“ Sara erzählte weiter, völlig in ihrer Vorstellungskraft aufgehend. Und plötzlich spürte Sara dieselbe Kraft, die sie in Salomons Flügeln gespürt hatte, wenn er sich Tag für Tag von seinem Pfosten in die Luft erhoben hatte. Sie spürte ein erhebendes Gefühl in sich, das ihr den Atem raubte. Ihr Körper schien einen Augenblick lang tonnenschwer gewesen zu sein, um dann im nächsten vollkommen schwerelos zu werden. Und dann flog Sara.
S. 49ff

Also, Sara, was hast du heute gelernt? Salomon lächelte sie an.„Hab‘ ich gelernt, dass ich über die ganze Stadt fliegen kann, ohne dass Zeit vergeht?“, fragte Sara vorsichtig. Ob es das war, was Salomon hören wollte? „Ich habe gelernt, dass Jason und Billy mich nicht hören oder sehen können, wenn ich fliege, weil sie zu jung oder noch nicht so weit sind. Ich habe gelernt, dass es da oben überhaupt nicht kalt ist, wenn man fliegt.“Das ist alles schön und gut und wir können später darüber reden. Aber ist dir aufgefallen, Sara, dass du nicht das bekommen konntest, was du wolltest, solange du darüber geredet hast, was du nicht wolltest? Aber als du anfingst, darüber zu reden, was du wolltest - und was noch wichtiger ist, als du fühlen konntest, was du wolltest -, da bekamst du es augenblicklich.Sara war still und versuchte sich zu erinnern. Aber es fiel ihr nicht leicht, sich an irgendetwas zu erinnern, das sie vor dem Flug gedacht oder gefühlt hatte. Sie wollt lieber nur an Flug selbst denken.Sara, denk so oft wie möglich darüber nach. Und übe es so oft wie möglich.„Du möchtest, dass ich das Fliegen übe? Gut!“Nicht nur zu fliegen, Sara. Ich möchte, dass du übst, an das zu denken, was du möchtest und warum du es möchtest, bis du es wirklich fühlen kannst. Das ist das Wichtigste, das du von mir lernen wirst, Sara. Viel Spaß dabei.
S. 55f

Sonntag, 5. April 2015

Bedürfnisse = Ursachen

Facharbeit zur "Friedvollen Kommunikation" - Teil 4


Wie entstehen eigentlich Gefühle? Warum haben wir ein bestimmtes Gefühl? Als ich eine Anzahl Emotionen auflistete, unterteilte ich diese direkt in erfüllte und unerfüllte Empfindung. Bedürfnisse sind demnach die Ursache aller Emotionen.


Bedürfnisse nach Rosenberg


In seinem Buch „Das können wie klären!“ vermittelt Rosenberg seine Auffassung von Bedürfnissen. Er fasst sie als Ressourcen auf, „die das Leben bereithält, um sich selbst zu erhalten“ (S. 9). Nach seiner Definition verfügen alle Menschen über dieselben Bedürfnisse, unabhängig von Geschlecht, religiösen Überzeugungen, Nationalität oder Bildungsniveau. Sie nehmen keinen Bezug auf spezielle Menschen, die spezifische Dinge tun. Oder, im Sinne der FVK: Sie sind allgemeingültig für alle Menschen in jeder Situation.

Diese Bedürfnisse sind:

Autonomie
· Träume, Ziele und Werte wählen | · Pläne zur Realisiert von Träumen, Zielen und Werten entwickeln

Feiern
· Entstehung des Lebens | · Erfüllung von Träumen | · Verluste feierlich begehen (trauern um geliebte Menschen, Träume, etc.)

Integrität
· Authentizität | · Kreativität | · Sinnhaftigkeit | · Selbstwert

Interdependenz (Soziale Bindungen, Kontakt mit anderen)
· Akzeptanz | · Beitrag zur Bereicherung des Lebens | · Aufrichtigkeit | · Empathie | · Emotionale Sicherheit | · Geborgenheit | · Gemeinschaft | · Liebe | · Nähe | · Respekt | · Rücksicht | · Unterstützung | · Verständnis | · Vertrauen | · Wertschätzung | · Zugehörigkeit

Nahrung für den Körper
· Bewegung, Sport | · Körperliche Nähe | · Luft | · Ruhe | · Schutz vor lebensbedrohenden Lebensformen: Viren, Bakterien, Insekten, (menschliche) Raubtiere | · Sicherheit | · Sexualität | · Nahrung | · Unterkunft | · Wasser

Spiel
· Lachen | · Spaß

Spirituelle Verbundenheit
· Friede | · Harmonie | · Inspiration | · Ordnung (Struktur, Klarheit)


Die Schwierigkeit, Bedürfnisse zu erkennen und zu benennen


Wie Rosenberg habe auch ich die Erfahrung gemacht, dass es vielen Menschen schwer fällt, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen. Ich erlebte, wie Erwachsene sogar nach einer halben Stunde nachdenken ohne Hilfestellung nicht in der Lage waren, ihr eigenes Bedürfnis zu benennen.
Statt dessen analysierten sie die jeweilige Situation („Sie ist genau wie ihre Mutter. Die quatscht auch immer dazwischen.“), gaben eine Diagnose ab („Er denkt, ich kann nicht den Mund halten.“), Urteilten („Sie ist unruhig.“) oder nannten Handlungsstrategien („Ich möchte, dass du zuhörst.“).
Es ist ein Fortschritt und eine Erleichterung im Miteinander, wenn jemand seine eigenen Bedürfnisse benennen kann. Weit schwieriger ist es, die passenden Bedürfnisse eines anderen zu erkennen. Manchmal sind diese auch schon bei kleinen Kindern ganz klar benannt:

„Ich habe Hunger.“ - „Ich kann das!“ - „Arme!“

Bei diesen drei Beispielen sind die Bedürfnisse (Nahrung für den Körper, Autonomie, soziale Bindungen) leicht zu erkennen. Doch gibt es immer wieder Situationen, in denen ein Mensch in einer bestimmten Situation auf eine bestimmte Art handelt, die nicht sofort erkennen lässt, welches Bedürfnis hinter der Handlung steckt.

Ein Kind wirft sich im Supermarkt auf den Boden und schlägt um sich.
Ein Kind steht mitten in einem Raum, in dem sich Menschen unterhalten, und schreit.
Ein Kind nimmt einem anderem das Spielzeug weg.

Menschen, die in dieser Situation versuchen, eine Ursache zu erkennen, ohne das Verhalten des jeweiligen Kindes zu bewerten, sind bereits auf dem Weg zur FVK. Sie haben den ersten Schritt getan, denn sie beobachten die Szene, ohne zu beurteilen. Ein weiterer Schritt ist nun, das jeweilige Bedürfnis hinter den Handlungen zu erkennen. Zu jeder dieser Situationen kann es jedoch mehrere Bedürfnisse geben. Das passende entdecken wir am einfachsten über die Gefühle. Jemand, der ängstlich ist, sehnt sich z.B. nach Sicherheit. Jemand, der laut aufbegehrt, sehnt sich je nach Situation z.B. nach Autonomie, Bewegung oder Aufmerksamkeit.

Wenn du magst, lies auch den Anfang und den Schluss: